Fortsetzung der Abhandlung "Die Vor- und Nachteile der Globalisierung"

 

8. Nachteil der Globalisierung: Die Angleichung der Kulturen und die Amerikanisierung der Welt
Manch einer mag es als Vorteil sehen, wenn er überall in der Welt die gleichen Hamburger essen und die gleichen Jeans kaufen kann und das unerbittliche Profitstreben und die westliche Kultur sich weltweit durchsetzen. Ich kann aber verstehen, wenn anderen Kulturkreisen diese Vereinnahmung und Egalisierung gar nicht gefällt.

9. Nachteil der Globalisierung: Die Finanzwelt gerät außer Kontrolle!
Der Abbau der Zölle bedeutet letztlich globaler Dumpingwettbewerb bei der Produktion. Doch damit ist das unfaire Spiel noch lange nicht beendet. Denn mit der Auslagerung von Fabriken geht auch eine Internationalisierung im Finanzwesen einher. Die traditionelle Bindung zu den inländischen Hausbanken verliert sich - Kreditsucher und Geldanleger suchen weltweit nach besseren Angeboten.

Dies führt zu einer gefährlichen weltweiten Vernetzung und Abhängigkeit der Banken untereinander und zu ständig neuen Finanzprodukten, die kaum noch jemand versteht und die von der staatlichen Bankenkontrolle nicht mehr erfasst werden können.

10. Nachteil der Globalisierung: Viele Staaten können sich nicht mehr selbst versorgen...
Durch die Globalisierung geraten viele Staaten in eine wirtschaftliche Abhängigkeit voneinander. Deutschland kann zum Beispiel nur noch einen relativ kleinen Teil seiner Konsumgüter selbst herstellen. Kommt es in für uns wichtigen Ländern zu Umweltkatastrophen, Generalstreiks oder Krieg, kann evtl. nicht einmal mehr der Grundbedarf gedeckt werden. Ob die starke Importabhängigkeit friedensstiftend wirkt, ist unter Fachleuten umstritten.

11. Nachteil der Globalisierung: Produktionsstillstand wegen fehlender Zulieferungen
Deutschland ist mächtig stolz auf seine Autoindustrie. Dabei ist die Produktionstiefe in den Autokonzernen nur noch gering (20-30 %). Die meisten Bauteile eines Autos werden von in- und ausländischen Zulieferbetrieben entwickelt und angliefert. Damit begeben sich die Konzerne in eine gefährliche Abhängigkeit. Denn politische Unruhen und Naturkastrophen sorgen immer wieder für Störungen der Zulieferketten - ein fehlender kleiner Chip kann bereits ganze Produktionsbänder zum Stillstand bringen.

12. Nachteil der Globalisierung: Steueroasen blühen auf und gefährden den Sozialstaat!
Welchem deutschen Unternehmer wäre es vor 40 Jahren eingefallen, über Briefkastenfirmen in Steueroasen Ertragssteuern einzusparen. Im Zuge der Globalisierung mussten die alten Industriestaaten leider auch den Finanzmarkt liberalisieren mit dem Ergebnis, dass sich für das vagabundierende Kapital immer neue Schlupflöcher auftun.
Damit wird der natürliche Geldkreislauf unterbrochen und unkontrollierbar - Kaufkraft wandert in dunkle Kanäle ab und sozial ausgerichtete Staaten geraten in Bedrängnis.

13. Nachteil der Globalisierung: Ausbreitung von Krankheiten und Seuchen
Schon im Mittelalter kamen als Beipack mit den Schiffsladungen aus fernen Erdteilen Ratten und die Pest ins Land. Auch heute verstärkt der übertriebene Welthandel die Seuchengefahr. Zwar werden die Frachtcontainer häufig eingegast (damit die Ware nicht durch Parasiten Schaden nimmt), aber schon diese Praxis birgt schlimme Gesundheitsschäden beim Entladen der Container am Zielort.
Hinzu kommt der mit dem Welthandel verbundene geschäftliche Reiseverkehr, der innerhalb von wenigen Jahrzehnten gigantische Ausmaße angenommen hat.

15. Nachteil der Globalisierung: Monopolisierung des Handels
Die Handelsketten der Global Player erobern ein Land nach dem anderen. Das führt nicht nur zu langweiliger Monotonie der Städte, es geht auch ein Großteil der Produktvielfalt verloren. Letztlich bestimmen die mächtigen Handelskonzerne mit ihrer Einkaufspolitik darüber, welche Hersteller überleben und welche nicht.

16. Nachteil der Globalisierung: Betrug und Grauimporte
Der globale Handel wird zunehmend undurchschaubarer und unkontrollierbarer. Allerorten herrscht massiver Preiskampf - häufig (vor allem in Internet) werden Waren unter regulärem Einkaufspreis verkauft. Schaut man hinter die Kulissen stellt man fest, dass so manche Dumpingpreise nur durch Betrügereien möglich sind (Zoll- und Steuerbetrug, Grauimporte, Produktpiraterie usw.).

17. Nachteil der Globalisierung: Karussellgeschäfte
Als Karussellgeschäfte bezeichnet man den betrügerischen fingierten Ex- und Import, um sich Mehrwertsteuerrückzahlungen zu erschleichen. Es werden Exporte vorgetäuscht, um die Vorsteuern rückerstattet zu bekommen. Dabei wird über mehrere kurzlebige Tarnfirmen Ware hin und her geschoben, um die Finanzämter auszutricksen.

18. Nachteil der Globalisierung: Spekulanten und Geldjongleure beherrschen die Welt!
Wenn alles aus den Fugen gerät, der inländische Binnenmarkt nichts mehr gilt und durch den Zollabbau ein unfairer, unkontrollierbarer globaler Produktions- und Finanz-Wettbewerb die Oberhand gewinnt, dann ist die Stunde der Spekulanten gekommen. Sie können mit geringem Eigenkapital Währungs- und Börsenkurse manipulieren und irrsinnige Renditen einstreichen.

Auch diese Profitgeier sind verständlicherweise ständig bemüht, die Globalisierung zu verherrlichen und deren fatale Folgen zu vertuschen. Ihre größte Sorge ist das Aufkeimen eines neuen Zoll-Protektionismus - denn der würde ihr einträgliches Geschäftsmodell zerstören.

19. Nachteil der Globalisierung: Wirtschaftskrisen breiten sich weltweit aus!
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20. Nachteil der Globalisierung: Es lassen sich kaum noch Lehren ziehen...
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Regierungsfreundliche Interpretation
Die westlichen Industrienationen sind (noch) auf die Globalisierung fixiert und verweisen trotz ständiger Spekulationsblasen und Wirtschaftskrisen auf vermeintliche volkswirtschaftliche Vorteile. Die finanzkräftige Globalisierungslobby hält noch immer alle Fäden in der Hand.

Leider ergibt sich aus dieser Konstellation ein weiteres Debakel: Lehrer und Professoren stehen im Staatsdienst und sind von Natur aus darauf gedrillt (oder gar dazu verpflichtet) regierungsfreundliche Thesen weiterzugeben.

Das gelingt nur über die "Vergewaltigung" (also Fehlauslegung) des Wortes Globalisierung. Denn ist die Definition erst einmal aufgeweicht, lässt sich mit der Globalisierung alles Positive der Neuzeit verbinden.
Erst dieser Betrug macht die Globalisierung salonfähig, führt zu ewigen Diskussionen und erschafft den Mythos, am dessen Anfang eine ganz einseitige Interessenlage steht: Das
kapitalistische Ermächtigungsgesetz.

 

Haben Sie die wichtigsten Auswirkungen der Globalisierung erkannt? Welches sind die drei entscheidenden Nachteile der Globalisierung?

 

 

Globalisierung - Hintergrund & Analyse: AusflüchteAuswirkungenDefinitionDeutschlandDigitalisierung Erklärung EntwicklungsländerFaktenKapitalismusLohnentwicklung NachteileProbleme ProtektionismusReferateVollbeschäftigungVorteileVorurteile Weltwirtschaftsgipfel WirtschaftWirtschaftsboomWohlstand Zukunft

 

Einige meiner Texte wurden inzwischen auch ins Englische übersetzt.
Und auch ins Französische.

 

 

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© Dieser Text ist die Zusammenfassung einer Studie des Wirtschaftsanalysten und Publizisten Manfred J. Müller aus Flensburg
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Kasinokapitalismus statt Marktwirtschaft - wie lange soll das noch gutgehen?

Machen wir uns nichts vor: In einem offenen (zollfreien) Weltmarkt kann eine Marktwirtschaft nicht funktionieren! Wenn Stundenlöhne von einem Euro und 20 Euro ungebremst aufeinanderprallen, ein gnadenloser globaler Steuer- und Ökodumpingwettbewerb tobt und die weltweit verflochtenen Finanzmärkte sich jeder staatlichen Kontrolle entziehen, dann steht die Marktwirtschaft nur noch auf dem Papier. Als Alibi.

Alle parteipolitischen Querelen sind und bleiben Scheingefechte, solange die Marktwirtschaft ausgeschaltet bleibt!
Debatten über die richtigen Parteiführer, über Mindestlöhne, Renten, Steuern, Umweltauflagen usw. bleiben weitgehend belanglos und Augenwischerei, solange eine Regierung keine Macht und Kontrolle mehr hat über den eigenen Staat.

Im Klartext: Solange Politik und Medien meinen, auf angemessene Importzölle verzichten zu können, macht es keinen großen Unterschied, welche der etablierten Parteien am Ruder ist. Ob nun die Grünen, die SPD oder die CDU den Kanzler stellen, spielt dann nur noch eine untergeordnete Rolle. Vielleicht kann die eine oder andere Partei den drohenden Zusammenbruch über hochriskante Tricks (Billiggeldschwemme) etwas länger hinauszögern - mehr aber auch nicht.

Seit Jahren sind chinesische Konzerne dabei, sich wichtige ausländische Hightechfirmen und Rohstoffreserven einzuverleiben. Mit welchem Geld überhaupt? Kann man bei der Undurchschaubarkeit des globalen Finanzsystems sicher sein, dass das Geld der Aufkäufer einen realen Wert verkörpert und nicht einfach künstlich generiert wurde?
Ich habe ja nicht einmal mehr Vertrauen in das Gebaren der EZB (der Europäischen Zentralbank), die den Ausstieg aus der dubiosen Geldschwemme und Nullzinspolitik zwar immer wieder verspricht, aber ihr Versprechen bislang nie eingelöst hat. Ist die EZB dazu gar nicht mehr in der Lage, hat sie Angst vor einem Kollaps des Weltfinanzsystems?

••• NEU:

Kapitalismus, Zollfreihandel, Globalisierung:
DAS KONTRABUCH
Wie funktioniert die grenzenlose Ausbeutung?
Und was müssten unbestechliche Politiker dagegen tun?
Manfred Julius Müller, 100 Seiten, Format 17x22 cm, 8,90 Euro

Weitere Infos zum Buch:
Warum gibt es die vielen Probleme in der Welt?



Nachtrag 8. März 2019 (nur ein Beispiel von vielen):
Vorsicht vor Geisterdebatten!
Gestern sah ich in unserem Staatsfernsehen eine interessante Talkshow (Maybrit Illner) über die Globalisierung, die neuen wirtschaftspolitischen Herausforderungen, den Umgang mit China und den USA. Die diskutierenden Gäste erwiesen sich allesamt als ausgesprochen kompetent und intelligent. Trotzdem redeten sie immer wieder um den heißen Brei herum. Es kam mir vor wie der Tanz um das goldene Kalb.
Die Debattierenden verabscheuten die Zölle (nur darin waren sie sich einig), plädierten aber gleichzeitig für andere Schutzmaßnahmen, um die europäische Wirtschaft im globalen Wettkampf wettbewerbsfähig zu erhalten. Aber aufwendige staatliche Grundlagenforschungen, kostspielige Infrastrukturanbindungen, hohe Subventionen und Billigkredite an die Unternehmen, Wagniskapital für Start-ups, großzügige Lohnzuschüsse, Mehrwertsteuererstattungen bei Exporten, Staatsbeteiligungen an kränkelnden Geschäftsbanken, geförderte Konzernfusionen (Bildung von "European Champions") usw.
sind schließlich auch Protektionismus pur.
Und sich über "America first" mächtig aufregen, gleichzeitig aber zu fordern, bei der öffentlichen Auftragsvergabe EU-Firmen zu bevorzugen und Firmen zu bestrafen, die europäischen Interessen zuwiderlaufen - was ist das denn? Das ist doch wohl eindeutig "Europe first".
Diese Doppelmoral ist es, die uns alle narrt und unsere Probleme unlösbar erscheinen lässt. Ohne Protektionismus wird kein Staat und auch kein Völkerbund (keine EU) den mörderischen globalen Dumpingwettbewerb überstehen. Diese Lehren sollte man aus der Vergangenheit längst gezogen haben. Damit endlich die Debatte einsetzen kann, welche Art von Protektionismus der Menschheit die meisten Vorteile bringt.