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Das
Pro und Contra der Globalisierung...
Was
spricht gegen und was für die Globalisierung? Werden
mit einer gut inszenierten Geisterdebatte die katastrophalen
Auswirkungen der Globalisierung verschleiert?
Die
Vorteile der Globalisierung
Der
gut geschmierte Propagandaapparat der mächtigen
Kapitallobby reitet verständlicherweise immer wieder
auf den vermeintlichen Vorzügen der Globalisierung
herum. Werden aber die parteiischen Vorteilsnehmer einmal in
die Enge gedrängt und gezwungen, auch über
entstandene Schwierigkeiten zu sprechen, dann werden diese
verniedlicht und es so gedreht, als würden die Vorteile
eindeutig überwiegen. Wie steht es denn nun wirklich um
die sagenumwobenen Vorteile, welches sind die Pluspunkte der
Globalisierung?
1.
Vorteil der Globalisierung: Die Globalisierung mehrt den
Wohlstand in den Industrienationen
Um
diesen Unsinn zu belegen, werden immer wieder abenteuerliche
Statistiken konstruiert. Da wird dann zum Beispiel gerne auf
dem Wirtschaftswachstum herumgeritten, welches ja
tatsächlich auch vorhanden ist. Leider stellt aber
niemand die Frage, was ein stetes Wirtschaftswachstum
nützt, wenn die Arbeitseinkommen der Bevölkerung
gleichzeitig sinken?
Was zählt, ist doch nicht das Wirtschaftswachstum,
sondern das, was tatsächlich dabei herauskommt, also
die Wohlstandsentwicklung. Und hier bringt die
Globalisierung weniger als nichts, sie verhindert nicht nur
den normalen durch den Produktivitätsfortschritt
anfallenden Fortschritt, sie beschert vielen
Industrieländern auch noch einen sich ausbreitenden
Wohlstandsabstieg.
2.
Vorteil der Globalisierung: Die Globalisierung
ermöglicht einigen Schwellenländern den Aufstieg
zur Industrienation
Allein
in diesem Punkt könnte man geneigt sein, der Behauptung
zuzustimmen. Bei näherer Betrachtung wird aber
deutlich, dass auch dieser scheinbare Erfolg trügerisch
und zumindest äußerst fraglich ist. Denn niemand
kann schließlich beurteilen, wie die Entwicklung in
diesen Ländern ohne Globalisierung (ohne rigiden
Zollabbau) verlaufen wäre.
Auch
vor der Globalisierung hat sich die Situation in zahlreichen
Entwicklungsländern verbessert, weil die
Verhältnisse sich dort geändert haben
(Bekämpfung der Korruption, Bildungsoffensive,
Entwicklungshilfen, Demokratisierungsprozesse usw.).
Der Aufstieg Chinas zum Beispiel hängt zum großen
Teil mit der Abkehr vom lähmenden kommunistischen
System und mit allgemeinen produktionstechnischen
Fortschritten zusammen - welchen Anteil die Globalisierung
an diesem Erfolg hat, kann schwerlich abgeschätzt
werden. Ein marktwirtschaftlich orientiertes China
hätte ohne Globalisierung eine andere Entwicklung
genommen, wäre nicht in dem heutigen Ausmaß zur
Werkbank der Welt geworden, hätte aber vielleicht
stattdessen mehr für den Inlandsmarkt produziert und
ein überschaubareres Wirtschaftswachstum
gehabt.
3.
Vorteil der Globalisierung: "Eine Spezialisierung in der
Produktion sorgt für Kostenvorteile..."
Die
Uralt-Theorie des englischen Ökonoms David Ricardo
geistert auch heute noch in den Köpfen vieler
Entscheidungsträger herum: Ricardo behauptete vor 200
Jahren, dass eine Spezialisierung in der Produktion den
Staaten mehr Wohlstand bringe. Doch seine Theorie ist albern
und längst widerlegt. Echte Standortvorteile ergeben
sich dabei nur für bestimmte landwirtschaftliche
Güter (klar, dass man in Deutschland nicht
vernünftig Kaffee oder Bananen anbauen kann). Bei allen
anderen Produkten bringt eine Spezialisierung keine
Standortvorteile.
Autos,
Computer, Textilien usw. lassen sich fast überall in
der Welt herstellen - Wettbewerbsvorteile entstehen
hauptsächlich durch gravierende Unterschiede bei den
Löhnen und Steuern. Nach Ricardo müsste die
Produktion auf Grund dieser Kostenschere nur noch in den
Billiglohnländern stattfinden - aber was hätten
dann die Hochlohnländer zum Tausch anzubieten?
Oder die Staaten müssten sich untereinander absprechen:
Deutschland übernimmt die Autoproduktion für die
Welt, China spezialisiert sich auf Fernseher und Computer,
die USA auf Baumwolle und Textilien. Dann hätten wir
überall die schönsten Monopole. Wie kann es sein,
dass die absurde Ricardo-Theorie noch heute Befürworter
findet?
4.
Vorteil der Globalisierung: Die Globalisierung ist die
große Chance für alle Entwicklungsländer
"Chance"
ist das beliebte Zauberwort für alle, die konkrete
Erwartungen nicht erfüllen können.
Tatsächlich geht es heute vielen
Entwicklungsländer schlechter als vor der
Globalisierung, weil deren schwache Wirtschaft mit der
ausländischen Billigkonkurrenz nicht mithalten kann.
Selbst die traditionsreichen Kleider der Afrikanerinnen
kommen heute schon zum großen Teil aus China und
machen die lokalen Schneider arbeitslos. Ohne
Dumpingprodukte aus dem Ausland würde es manchen
Entwicklungsländern deutlich besser gehen.
5.
Vorteil der Globalisierung: Die Globalisierung beschleunigt
den weltweiten Demokratisierungsprozess
Auch
diese Behauptung ist kaum mehr als eine leere
Worthülse. Einmal ganz konkret: Welche Länder sind
durch die Globalisierung demokratisiert worden?
Demokratisierungsprozesse gab es zu allen Zeiten und
selbstverständlich auch schon vor der Globalisierung.
Die rasante Entwicklung der Nachrichten- und
Informationstechniken haben sicherlich einen positiven
Einfluss auf den Demokratisierungsprozess, aber will man nun
allen Ernstes den technischen Fortschritt auch noch der
Globalisierung einverleiben?
6.
Vorteil der Globalisierung: Die Globalisierung beschleunigt
den technischen Fortschritt
Wem
gehört der technische Fortschritt? Die
Globalisierungslobby tut gerade so, als wenn es vor 1980
noch keine Zivilisation, keine Forschung und keine
Erfindungen gab! Selbst die Erfolge im Nachrichten- und
Kommunikationssektor beruhen aber hauptsächlich auf
permanenten Verbesserungen alter Produkte. Solche
Weiterentwicklungen sind absolut natürlich und finden
auch ohne Globalisierungseffekte statt.
Zwar
mag einerseits das Forschen rund um die Uhr in allen
Erdteilen die Innovationskraft beschleunigen, andererseits
wird aber durch den globalen Verdrängungswettbewerb die
Konkurrenz dezimiert. Ein solcher Monopolisierungstrend
dient langfristig sicher nicht dem Fortschritt.
Hinderlich zeigt sich die Globalisierung auch bezüglich
der Produktivitätssteigerungen - wozu bessere und
schnellere Maschinen entwickeln, wenn billige Arbeitssklaven
in China, Indien oder Vietnam für ein paar Cent die
Stunde arbeiten?
7.
Vorteil der Globalisierung: Die Kulturen wachsen zusammen -
alle Menschen werden Brüder
Was
so nett und anheimelnd klingt, hat leider auch seine
Schattenseiten, weil manche Kulturen sich von der westlichen
Wertedominanz vereinnahmt und überrumpelt fühlen.
Ist unsere profitorientierte Lebenseinstellung wirklich das
Maß aller Dinge? Vielleicht entpuppt sich der
gesellschaftliche Egalisierungsprozess eher als Fluch denn
als Segen. Es wäre vermessen und vor allem
verfrüht, über diesen Punkt ein
abschließendes Urteil zu fällen.
Wie
man sieht, bleibt bei genauerer Betrachtung von den
vermeintlichen Vorteilen der Globalisierung nicht viel
übrig. Es kann sein, dass es einigen hundert Millionen
Menschen durch die Globalisierung besser geht, sicher aber
scheint, dass einige Milliarden Menschen dafür bluten
müssen und dass die Globalisierung den
Wohlstandsanstieg in den "reichen" Ländern zum erliegen
gebracht hat.
Ohne
Globalisierung hätte sich der Wohlstand in der
westlichen Welt seit 1980 in etwa verdoppelt - da wäre
es ein Klacks gewesen, die Entwicklungshilfen für die
armen Länder zu vervielfachen. Mit diesen Geldern
hätte man vermutlich weit mehr erreicht, als es die
Globalisierung in einigen Schwellenländern vermocht
hat.
Die
Nachteile der Globalisierung
Die
unpoetischen Dichter der Globalisierung, man könnte sie
auch Phantasten, Lügner, Propagandisten, Lobbyisten
oder
Nutznießer
nennen,
schwärmen hinterlistig von der allgemeinen
Wohlstandsmehrung durch die Globalisierung und
philosophieren pathetisch von einem Zusammenwachsen aller
Völker. Doch was bleibt wirklich, wenn man den Nebel
der Wunschträume und Verschleierungen zu durchdringen
versucht? Welche Vor- und Nachteile hat die Globalisierung
in die Waagschale zu werfen?
1.
Nachteil der Globalisierung: Wohlstandsverlust in den
Industrieländern
Vor
der durch den Zollabbau künstlich entfachten
Globalisierung ist der Wohlstand recht rasant von Jahr zu
Jahr angestiegen (alle 25 Jahre hat er sich in etwa
verdoppelt). Nach dem massiven Zollabbau (um 1980 herum),
dem Startschuss für die Globalisierung, kam diese stete
Fortentwicklung zum Erliegen - in einigen Ländern (z.
B. Deutschland) kam es sogar zum Wohlstandsabbau
(Verringerung der realen Nettolöhne).
2.
Nachteil der Globalisierung: Jobverlust in den
Industrieländern
Durch
die Globalisierung vollzog sich (u. a. auch in Deutschland)
ein Wandel von der Vollbeschäftigung zur
Massenarbeitslosigkeit. Ganze Produktionsbereiche wurden
nahezu ausgerottet (Kameras, Computer, Handys, Textilien,
Haushaltsgeräte, Büromaschinen usw.), deren gut
ausgebildete Facharbeiter fielen in ein tiefes Loch oder
mussten zu hohen Kosten umgeschult werden (um dann zu weit
schlechteren Konditionen in anderen Branchen
unterzukriechen).
Die
Zukunftsperspektiven sogar der jungen Leute haben sich
vielerorts dramatisch verschlechtert (Generation
Praktikum).
An diesem generellen Trend ändert auch wenig der
Aufwärtstrend von 2006 bis 2008, der durch die
Mehrwertsteueranhebung bei gleichzeitiger Absenkung der
Lohnnebenkosten entstanden ist (für diese
Umfinanzierung habe ich über 20 Jahre erbittert
gekämpft). (Näheres...)
3.
Nachteil der Globalisierung: Viele Entwicklungsländer
bleiben arm
Nicht
einmal das natürliche Wirtschaftswachstum, das sich
eigentlich zwangsläufig durch immer neue Erfindungen
und Fertigungsmethoden ergibt, kann sich vielerorts mehr
durchsetzen. Der mörderische globale Wettkampf
lässt vielen kleinen Firmen in den armen Ländern
keine Überlebenschance. Ein Land, das von der
Konkurrenz schon im ersten Wachstumsstadium von
ausländischen Produkten überrollt wird, kann keine
eigene Volkswirtschaft entwickeln.
4.
Nachteil der Globalisierung: Die Globalisierung
zerstört die Prinzipien der Markwirtschaft
In
einem intakten
Binnenmarkt
herrscht
ein fairer Wettbewerb, indem sich die Interessenkonflikte
von Arbeit und Kapital zum Nutzen aller ausgleichen.
Die Globalisierung zerstört jedoch diese Basis des
produktiven Fortschritts: Das Kapital kann dadurch ungeniert
schalten und walten wie es will und dort investieren, wo es
die günstigsten Bedingungen vorfindet (niedrigste
Arbeitskosten, niedrigste Steuern, höchste
Subventionen). Die Globalisierung hat dem Kapital alle Tore
geöffnet, um die Völker und die Staaten dieser
Welt zu erpressen und auszunehmen.
5.
Nachteil der Globalisierung: Die Globalisierung beschert
einen eskalierten Warentourismus.
Weltökonomisch
völlig sinnlos werden heute Waren und Zubehörteile
rund um den Globus hin- und hergeschoben, zum Schaden
für die Umwelt. Milliarden Tonnen von Feinstaub und
Kohlendioxyd gelangen dabei in die Luft und bringen
Zigmillionen Menschen Krankheit und Tod. Der
aufgeblähte Warentransport ist mitverantwortlich
für die sich anbahnende Klimakatastrophe.
6.
Nachteil der Globalisierung:
Umweltdumping
Im weltweiten Buhlen um Kapital und Investoren wird auch der
Umweltschutz vernachlässigt. Viele Fabriken werden
wegen zu hoher Umweltauflagen in Europa nach China
verlagert. Die Globalisierung (= der Zollabbau) sorgt also
nicht nur für ein weltweites Lohn- und Sozialdumping -
auch der Umweltschutz ist im weltweiten Standortwettbewerb
ein schwerwiegender Kostenfaktor.
7.
Nachteil der Globalisierung: Die Angleichung der Kulturen
und die Amerikanisierung der Welt
Manch
einer mag es als Vorteil sehen, wenn er überall in der
Welt die gleichen Hamburger essen und die gleichen Jeans
kaufen kann und das unerbittliche Profitstreben und die
westliche Kultur sich weltweit durchsetzen. Ich kann aber
verstehen, wenn anderen Kulturkreisen diese Vereinnahmung
und Egalisierung gar nicht gefällt.
8.
Nachteil der Globalisierung: Die Finanzwelt gerät
außer Kontrolle
Der
Abbau der Zölle bedeutet letztlich globaler
Dumpingwettbewerb bei der Produktion. Doch damit ist das
unfaire Spiel noch lange nicht beendet. Denn mit der
Auslagerung von Fabriken geht auch eine
Internationalisierung im Finanzwesen einher. Die
traditionelle Bindung zu den inländischen Hausbanken
verliert sich - Kreditsucher und Geldanleger suchen weltweit
nach besseren Angeboten. Dies führt zu einer
gefährlichen weltweiten Vernetzung und
Abhängigkeit der Banken untereinander und zu
ständig neuen Finanzprodukten, die kaum noch jemand
versteht und die von der staatlichen Bankenkontrolle nicht
mehr erfasst werden können. (Näheres zur
Bankenkrise).
9.
Nachteil der Globalisierung: Spekulanten und Geldjongleure
beherrschen die Welt!
Wenn
alles aus den Fugen gerät, der inländische
Binnenmarkt nichts mehr gilt und durch den Zollabbau ein
unfairer, unkontrollierbarer globaler Produktions- und
Finanz-Wettbewerb die Oberhand gewinnt, dann ist die
Stunde der Spekulanten gekommen. Sie können mit
geringem Eigenkapital Währungs- und Börsenkurse
manipulieren und irrsinnige Renditen einstreichen. Auch
diese Profitgeier sind verständlicherweise ständig
bemüht, die Globalisierung zu verherrlichen und deren
fatale Folgen zu vertuschen. Ihre größte Sorge
ist das Aufkeimen eines neuen Zoll-Protektionismus
-
denn der würde ihr einträgliches
Geschäftsmodell zerstören.
Kurz
und bündig:
Das
Fazit der Globalisierung
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Manfred J. Müller, Flensburg, 5. Juli 2007
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Manfred
Julius Müller
analysiert
seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und
veröffentlicht brisante Aufsätze zu den heikelsten
Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die
weltweit neue Maßstäbe setzten und in manchen
Ländern in wichtigen Bereichen die Gesetzgebung
beeinflussten. Seine Websites erreichen im Jahr etwa eine
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