Die Globalisierung in der Krise oder gar das Ende der Globalisierung?
Wird die Weltwirtschaftskrise das Ende der Globalisierung einläuten?

 

Manfred Julius Müller, Mai 2009

 

Die Globalisierung treibt die Welt in den Ruin! Dies behaupte ich nicht erst heute, sondern schon seit 20 Jahren. Aber es musste erst zur Katastrophe kommen, bis die Menschheit und vor allem die Politik begreifen wollte, was der unkontrollierbare totale Freihandel (die Globalisierung) letztlich anrichtet.

 

Die Globalisierung und das Ende der Moral...
Die Globalisierung bedeutet letztlich die Aufhebung jeglicher Moral und Menschlichkeit. Durch den Abbau der Zölle wird de facto ein Höllenfeuer entzündet - der globale Dumpingwettbewerb!
Bei laschen Zollgrenzen kann das Kapital (die Investoren, Spekulanten, Konzerne usw.) quasi schalten und walten wie es will, es kann die Arbeitnehmer und Staaten dieser Welt nach Belieben gegeneinander ausspielen.

Die Grundsatzfragen im globalen Kasino-Kapitalismus lauten: "Wo arbeitet man am billigsten?", "Welches Land verlangt die niedrigsten Steuern?", "Wo werden die höchsten Subventionen gewährt?" usw.

Der Verzicht auf angemessene Importzölle, der den Globalisierungswahn heraufbeschwor, ist in meinen Augen das größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit, es ist gleichbedeutend mit einem kapitalistischen Ermächtigungsgesetz.

 

Die Krise zeigt's: Die Globalisierung ist unkontrollierbar ...
Auch die folgende Erkenntnis dämmert erst wohl jetzt manchen Verantwortlichen: Eine echte Globalisierung (ausgelöst durch den weltweiten Zollabbau) sorgt für eine Entfesselung unbeherrschbarer Spekulationskräfte.

Um das Kapital anzulocken, überboten sich die Staaten in Liberalisierungsexzessen, um ja nicht vom globalen Trend abgekoppelt zu werden. Dadurch verloren viele Staaten die letzten Kontrollen über das Finanz- und Wirtschaftsgeschehen. Der behäbige Regierungsapparat bekam oft gar nicht mehr mit, was sich im Dunstkreis der Globalisierung so alles zusammenbraute.

Wer nun glaubt, mit einigen neuen Regeln dieses globale Tollhaus in den Griff zu bekommen, hat die Prinzipien des totalen Freihandels (der Globalisierung) immer noch nicht verstanden. Gewiefte Finanzjongleure und Investmentbanker werden weiterhin ständig neue Schlupflöcher ausfindig machen, die von den staatlichen Kontrolleuren, wenn überhaupt, viel zu spät entdeckt werden.

 

Die Krise zeigt's: "Globalisierung" steht für Betrug, Tricks und Täuschungen ...
Schon der normale Menschenverstand reicht aus um zu erkennen, dass es auf Dauer nicht angehen kann, wenn völlig unterschiedliche Standortbedingungen frontal aufeinanderprallen. Es kann nicht ewig gutgehen, wenn ein Westeuropäer mit 15 Euro Stundenlohn antritt gegen einen gleich gut ausgebildeten Asiaten, der sich mit einem Euro die Stunde begnügt.

Den unausweichlichen Zusammenbruch dieses absurden Konkurrenzsystems haben die westlichen Staaten mit marktverzerrenden protektionistischen Maßnahmen (Subventionen) aufzuhalten versucht. Aber diese Unredlichkeit und Schummelei (Subventions-Protektionismus statt Zoll-Protektionismus) wird immer unbezahlbarer und unterhöhlt zudem die Prinzipien der Marktwirtschaft.

 

Die Krise zeigt's: Globalisierung bedeutet Aushebelung der Marktwirtschaft...
Es kann mir niemand erzählen, dass eine Globalisierung (Freihandel ohne Zölle) die Funktionalität der Marktwirtschaft wahren kann. Im Grunde genommen schließt sich beides sogar gegenseitig aus. Nicht das bessere, leistungsfähigere Unternehmen setzt sich im unkontrollierbaren weltweiten Tohuwabohu durch, sondern das skrupellosere, brutalere.
Sieger ist, wer durch tausende Tricks oder gar Betrug Vorschriften umgeht, die Löhne immer weiter runterschraubt, Gewinne in Steueroasen auslagert usw.

Das alles hat mit effizienter Marktwirtschaft nichts mehr gemein. Gesteigert wird dieser kontraproduktive Zerstörungsprozess durch die vielen staatlichen Subventionen, die weitere heftige Fehllenkungen hervorrufen und die Grundsätze der Marktwirtschaft immer mehr untergraben.

In 25 bis 30 Friedensjahren bedingt der stete technische Fortschritt im Industriezeitalter normalerweise eine Verdoppelung des Wohlstands.
Seit der globalen Zeitenwende (seit 1980) kann in der westlichen Welt von Wohlstandsmehrung keine Rede mehr sein. In Westdeutschland sanken die Reallöhne und Renten gar um ca. 20 % (leider wird dieses Thema noch heute tabuisiert).

 

 

Globalisierung führt grundsätzlich zur Massenarbeitslosigkeit...
In einer ungerechten globalen Welt wird die Vollbeschäftigung zur Utopie, weil im unkontrollierbaren Weltmarkt dringend benötigte Kaufkraft von Spekulanten, Banken und Konzernen aufgesogen wird.

In einem homogenen Binnenmarkt dagegen entwickelt sich ganz von allein eine Balance zwischen Kapital- und Arbeitnehmerinteressen, die eine Massenarbeitslosigkeit nahezu ausschließt. Denn die Geldströme befinden sich hier in einem natürlichen Kreislauf und können nicht durch dunkle Kanäle entweichen.

Würden in einem intakten Binnenmarkt zum Beispiel die Löhne zu stark ansteigen (mehr als die Produktivität), würde damit lediglich die Inflation befeuert. Aber auch die Unternehmer würden durch die Gesetze des Marktes diszipliniert: Würden sie ihre Renditen unbotmäßig erhöhen, wäre ein Überangebot an Waren die zwangsläufige Folge (was wiederum zu einer Gegenbewegung, also zum Preisverfall führen würde).
In einem intakten Binnenmarkt ergibt sich also ein fairer Interessenausgleich ganz von selbst, der auch noch durch andere Mechanismen gestützt wird (
Existenzgründungen).

 

Globalisierung, Reichensteuer und Umverteilung...
Es erstaunt mich, mit welcher Vehemenz in unserem Land immer noch Geisterdiskussionen geführt werden. Da wollen manche Parteien scheinheilig die Spitzen-, Erbschafts- und Vermögenssteuern anheben, obwohl sie doch eigentlich wissen sollten, dass die von ihnen selbst eingeleitete Globalisierung derlei Umverteilung gar nicht zulässt (es würde die Eliten lediglich noch mehr ins Ausland drängen). Wer ernsthaft eine Reichensteuer anpeilt, sollte doch so ehrlich sein und die Zusammenhänge eingestehen.

Die Globalisierung gutheißen - gleichzeitig aber die soziale Marktwirtschaft und Reichensteuern einklagen, ist mehr als paradox. Wie kann man nur so ungeniert auf Dummenfang gehen?

 

Weltwirtschaftskrise 2009 - zurück zur Regionalisierung...
Auch wenn die hohe Politik es immer noch nicht wahrhaben will - der Traum von der "segensreichen und wohlstandsmehrenden" Globalisierung ist ein für allemal ausgeträumt. Führende ausländische Politiker haben dies längst begriffen und beginnen bereits, sich darauf einzustellen.

Die Länder, die blauäugig voll auf ihren Export gesetzt haben, werden aus der jetzigen Krise als Verlierer hervorgehen. Auch Deutschland wird sich damit abfinden müssen, einen Teil seiner Absatzmärkte einzubüßen. Leider kann dieser Verlust kurzfristig nicht durch eine Ausweitung des Binnenmarktes kompensiert werden. Die Importabhängigkeit bleibt auf Jahre bestehen, weil es für viele Bereiche der Grundversorgung (Textilien, Haushaltsgeräte, Computer usw.) keine nennenswerten Produktionsanlagen und Fachkräfte mehr gibt.

Das Schlagwort der "internationalen Arbeitsteilung" wird vielleicht einmal als größter Irrtum aller Zeiten in die Geschichte eingehen.

 

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 © Manfred J. Müller, Flensburg


Manfred Julius Müller analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten. Inzwischen sind auch vier Bücher erschienen: "Die Kultivierung des Kapitals", 2001, "Anti-Globalisierung. Zurück zur Vernunft!", 2002, "Das neue Wirtschaftswunder. Die Entmachtung des globalen Dumpingsystems", 2005, "Das Kapital und die Globalisierung", 2008.

 

 

 

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