Sagt unsere Arbeitslosenstatistik überhaupt noch  etwas aus? 

Wie ehrlich ist die deutsche Arbeitslosenstatistik?

 

"So viele Beschäftigte hatten wir noch nie!"
Gibt es derzeit wirklich ein Beschäftigungswunder, weil wir in Deutschland die niedrigsten amtlichen Arbeitslosenzahlen seit 1993 aufweisen können?

Zunächst einmal: die amtlichen Arbeitslosenzahlen sind wie die Spitze des Eisbergs, sie verdecken bzw. verschleiern das wahre Ausmaß der Katastrophe, die verdeckte Arbeitslosigkeit.

Aber damit nicht genug: Die momentan "guten" Zahlen beruhen auf teuer erkauften abenteuerlichen Sondereffekten:

 

Trügerische Arbeitslosenstatistik:
Die EZB überschwemmt den Markt mit Billiggeld!

Die Europäische Zentralbank kann nach Herzenslust neues Geld generieren und dieses Geld dann zwecks Konjunkturbelebung auf die Märkte werfen!

Folgen dieser unseriösen Machenschaften sind nicht nur ausufernde Staatsverschuldungen und Spekulationsblasen, sondern auch "vorgezogene" Wirtschaftsbelebungen auf Pump. Privatleute und Unternehmen ziehen wegen der niedrigen Zinsen Investitionen lediglich vor - der Konjunktureinbruch danach wird um so heftiger ausfallen.

 

Trügerische Arbeitslosenstatistik:
Beispiel: Es wird gebaut und renoviert wie selten zuvor!

Zu normalen Zeiten vor der Globalisierung (vor 1980) galten mit 8 % verzinste Hypotheken als langjähriger Durchschnittswert. Heute liegen die Angebote zwischen sagenhaften 2 und 3 Prozent. Der historisch niedrige Zinssatz hat aber keinen natürlichen Hintergrund. Er wurde manipuliert, indem die EZB den Banken frisch gedrucktes Geld für 0 % verleiht - also unterhalb der Inflationsrate.

Ein seriöser Hypothekenzins müsste auch heute bei ca. 5-6 % liegen (Inflationsrate + Ausfallrisiko + Bearbeitungskosten + Gewinnmarge).

Leidtragende dieser (künstlich hervorgerufenen) Geldschwemme sind zunächst alle Sparer, Lebensversicherte usw., denn sie alle werden schleichend enteignet (die Sparzinsen liegen unterhalb der Inflationsrate).
Manche Sparer versuchen diesem Teufelskreis durch riskante Investments zu entgehen, was wiederum die Spekulation antreibt und die Weltwirtschaft immer unsicherer macht.

Dank der künstlich erschaffenen Dumping-Hypotheken wird momentan natürlich gebaut wie verrückt, denn jeder potentielle Bauherr möchte die anormal günstigen Bedingungen ausnutzen.

Die Folgen dieser (meines Erachtens unverantwortlichen) Konjunkturpolitik der Zentralbanken: Nach dem Bauboom erfolgt der Absturz in die Tiefe, wie wir ihn zum Beispiel seit ca. sieben Jahren in Spanien erleben. Dort nützen jetzt auch die niedrigen Hypothekenzinsen nichts mehr, weil ein Überangebot an Häusern und Wohnungen besteht und in einem Klima von hoher Massenarbeitslosigkeit und unsicherer Arbeitsplätze sich kaum jemand langfristig verschulden und binden mag.

Weitere Folge: Das schnell generierte Billiggeld der Zentralbanken (das sogar zum Ankauf von dubiosen Staatsanleihen missbraucht wird), beschädigt langfristig das Vertrauen in die betroffenen Währungen. Niemand kann sagen, wann ein solch steter Werteverfall in eine Massenpanik umschlägt, wie Deutschland sie Anfang der 1920er Jahre erlebt hat (Hyperinflation).

Zentralbanken, die über Jahre selbst generiertes Geld weit unterhalb der Inflationsrate an Banken verleihen, spielen mit dem Feuer!

 

Trügerische Arbeitslosenstatistik:
Weitere Ursachen für das "Beschäftigungswunder"

Natürlich gibt es auch noch andere Ursachen für die derzeit "guten" Zahlen in der Arbeitslosenstatistik. In Deutschland erleben wir seit 35 Jahren einen völlig widernatürlichen Rückgang der Reallöhne und Renten. Widernatürlich deshalb, weil der technologische Fortschritt die Produktivität im gleichen Zeitraum verdoppelt hat.

Logisch, dass Deutschland mit seiner Lohnzurückhaltung viele westliche Konkurrenzstaaten abgeschlagen hat. Aber dieser eklige Verdrängungswettbewerb bietet keine Lösung auf Dauer und wird uns noch teuer zu stehen kommen (Schuldenschnitte und Rettungspakete für andere EU-Staaten).

In einer amtllichen Statistik wurde festgestellt, dass von 1999 bis 2009 die Zahl der unbefristeten Arbeitsverträge in Deutschland um weitere 19 % auf nunmehr unter 50 % zurückgegangen ist. Auch dieses Phänomen zeigt, wie es um den Arbeitsmarkt heute tatsächlich bestellt ist (Generation Praktikum).

 

Trügerische Arbeitslosenstatistik:
Der Euro führt zum Währungsdumping!

Hätte Deutschland noch seine DM, wäre dessen Außenwert höher - Importe (und damit auch Rohstoffe) also billiger und Exporte teurer. Dann wäre auch der absurd hohe Handels- und Leistungsbilanzüberschuss, der andere EU-Staaten zur Verzweiflung bringt, wesentlich niedriger.
Die Eintopf-Währung Euro verhindert eine marktgerechte Bewertung der deutschen Volkswirtschaft, weil die Euro-Krisenländer die Währung nach unten ziehen. Der vermeintliche Beschäftigungserfolg hängt also auch mit dem widerlichen Währungsdumping zusammen.

 

Trügerische Arbeitslosenstatistik:
Umkehrung der Maßstäbe!

Wie war es doch gleich damals, im Januar 1993? Damals empfand man drei Millionen Arbeitslose noch als absolute Katastrophe, die mit den Anpassungsschwierigkeiten in den neuen Bundesländern gerechtfertigt wurde.
Die Januarzahlen 1993 wurden als vorübergehender Ausnahmezustand dargestellt. Man versprach, die Probleme schnellstens zu lösen.

Und heute, nach 23 bitteren Jahren, feiert man die Rückführung auf die Horrorzahlen von damals als Bombenerfolg. Wobei ja, wie bereits erwähnt, die offiziellen Zahlen dank ausgeklügelter Bilanzkosmetik mit der Realität kaum noch etwas gemein haben.

 

Trügerische Arbeitslosenstatistik:
Schon bald wird uns die Rechnung präsentiert werden!

Die momentanen Beschäftigungserfolge werden schon bald ihre Grundlagen verlieren. Dann wird sich zeigen, was unterem Strich dabei herauskommt und welche Arbeitslosenprobleme wir wirklich haben.

 


Nachtrag Juli 2016:
Der Trend hat sich verfestigt, die Zinsen sind noch weiter abgesenkt worden. Banken zahlen nunmehr Strafzinsen, wenn sie ihr Geld bei der EZB parken.

Und es gibt inzwischen ein weiteres Konjunkturpaket:
Einige hunderttausend Bundesbürger sind jetzt damit beschäftigt, das Millionenheer der Flüchtlinge zu betreuen, zu versorgen, unterzubringen, auszubilden und zu integrieren.

Nachtrag September 2016:
Es wird jetzt allen Ernstes schon erwogen, zur Überwindung der nächsten Finanz- bzw. Wirtschaftskrise (die man offensichtlich für unvermeidbar hält) private Sparguthaben mit einem Negativzins von jährlich 5 bis 6 Prozent zu bestrafen - gleichzeitig aber das Bargeld zu verknappen (damit die Bürger ihr Geld nicht zu Hause horten). Die Bevölkerung soll so zum Geldausgeben animiert werden.
Diese Überlegungen lassen erkennen, auf welch dünnem Eis wir uns derzeit bewegen. Die Welt steht Kopf - und wir wähnen uns in Sicherheit und glauben an den nachhaltigen Erfolg der unverantwortlichen Verzweiflungstaten (Billiggeldschwemme, Ankauf von Unternehmens- und Staatsanleihen durch die EZB, Währungsdumping usw.).

 

 

Globalisierung: Der Fluch der Globalisierung
(Eingangsseite www.anti-globalisierung.de mit Menueleiste)

Impressum

 © Manfred J. Müller, Flensburg, Februar 2012, Aktualisierung der Zahlen Juli 2016

 

 


Wollen Sie mehr erfahren?
Politik und Medien scheinen belehrungsresistent! Sie sehen, wie seit 35 Jahren Reallöhne und Renten sinken und ziehen keine Lehren daraus.
"Uns geht es doch gut" verkünden sie stolz, ohne über die wahren Ursachen des schleichenden Niedergangs nachzudenken. Anstatt sich um das Wesentliche zu kümmern, streitet man sich im Bundestag um belanglose Nebensächlichkeiten.

Wenn auch Sie genug haben von der skandalösen Ignoranz und Volksverdummung und wissen wollen, was wirklich abgeht, wie die Weltwirtschaft nun einmal "funktioniert" und die Menschheit vom Joch des globalen Lohndumpingwettbewerbs befreit werden kann, sollten Sie vielleicht doch einmal in dieses Buch hineinschauen:

 

Manfred Julius Müller:
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Manfred Julius Müller analysiert seit über 30 Jahren weltwirtschaftliche Abläufe. Er ist Autor verschiedener Bücher zu den Themenkomplexen Globalisierung, Kapitalismus und Politik.

Manche Texte von M. J. Müller fanden auch Einzug in Schulbücher oder werden zur Lehrerausbildung herangezogen.

"Deutschland profitiert..."
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