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Die
Nachteile der
Globalisierung
Die
unpoetischen Dichter der Globalisierung, man könnte sie
auch Phantasten, Lügner, Propagandisten, Lobbyisten
oder Nutznießer nennen, schwärmen hinterlistig
von der allgemeinen Wohlstandsmehrung durch die
Globalisierung und philosophieren pathetisch von einem
Zusammenwachsen aller Völker. Doch was bleibt wirklich,
wenn man den Nebel der Wunschträume und
Verschleierungen zu durchdringen versucht? Welche Vor- und
Nachteile hat die Globalisierung in die Waagschale zu
werfen?
1.
Nachteil der Globalisierung: Wohlstandsverlust in den
Industrieländern
Vor
der durch den Zollabbau künstlich entfachten
Globalisierung ist der Wohlstand recht rasant von Jahr zu
Jahr angestiegen (alle 25 Jahre hat er sich in etwa
verdoppelt). Nach dem massiven Zollabbau (um 1980 herum),
dem Startschuss für die Globalisierung, wurde diese
stete Entwicklung recht abrupt abgebrochen, in einigen
Ländern (z. B. Deutschland) kam es sogar zum
Wohlstandsabbau (Verringerung der realen
Nettolöhne).
2.
Nachteil der Globalisierung: Jobverlust in den
Industrieländern
Durch
die Globalisierung vollzog sich (u. a. auch in Deutschland)
ein Wandel von der Vollbeschäftigung zur
Massenarbeitslosigkeit. Ganze Produktionsbereiche wurden
nahezu ausgerottet (Kameras, Computer, Handys, Textilien,
Haushaltsgeräte, Büromaschinen usw.), deren gut
ausgebildete Facharbeiter fielen in ein tiefes Loch oder
mussten zu hohen Kosten umgeschult werden (um dann zu weit
schlechteren Konditionen in anderen Branchen
unterzukriechen).
Die Zukunftsperspektiven sogar der jungen Leute haben sich
vielerorts dramatisch verschlechtert (Generation
Praktikum).
An diesem generellen Trend ändert auch wenig der
Aufwärtstrend von 2006 bis 2008, der durch die
Mehrwertsteueranhebung bei gleichzeitiger Absenkung der
Lohnnebenkosten entstanden ist (für diese
Umfinanzierung habe ich über 20 Jahre erbittert
gekämpft). (Näheres...)
3.
Nachteil der Globalisierung: Viele Entwicklungsländer
bleiben arm
Nicht
einmal das natürliche Wirtschaftswachstum, das sich
eigentlich zwangsläufig durch immer neue Erfindungen
und Fertigungsmethoden ergibt, kann sich vielerorts mehr
durchsetzen. Der mörderische globale Wettkampf
lässt vielen kleinen Firmen in den armen Ländern
keine Überlebenschance. Ein Land, das von der
Konkurrenz schon im ersten Wachstumsstadium von
ausländischen Produkten überrollt wird, kann keine
eigene Volkswirtschaft entwickeln.
4.
Nachteil der Globalisierung: Die Globalisierung
zerstört die Prinzipien der Markwirtschaft
In
einem intakten Binnenmarkt herrscht ein fairer
Wettbewerb, indem sich die Interessenkonflikte von Arbeit
und Kapital zum Nutzen aller ausgleichen.
Die Globalisierung zerstört jedoch diese Basis des
produktiven Fortschritts: Das Kapital kann ungeniert
schalten und walten wie es will und dort investieren, wo es
die günstigsten Bedingungen vorfindet (niedrigste
Arbeitskosten, niedrigste Steuern, höchste
Subventionen). Die Globalisierung hat dem Kapital alle Tore
geöffnet um die Völker und die Staaten dieser Welt
zu erpressen und auszunehmen.
5.
Nachteil der Globalisierung: Die Globalisierung beschert
einen eskalierten Warentourismus.
Weltökonomisch
völlig sinnlos werden heute Waren und Zubehörteile
rund um den Globus hin- und hergeschoben, zum Schaden
für die Umwelt. Milliarden Tonnen von Feinstaub und
Kohlendioxyd gelangen dabei in die Luft und bringen
Zigmillionen Menschen Krankheit und Tod. Der
aufgeblähte Warentransport ist mitverantwortlich
für die sich anbahnende Klimakatastrophe.
6.
Nachteil der Globalisierung:
Umweltdumping
Im
weltweiten Buhlen um Kapital und Investoren wird auch der
Umweltschutz vernachlässigt. Viele Fabriken werden nur
wegen zu hoher Umweltauflagen von Europa nach China
verlagert. Die Globalisierung (= der Zollabbau) sorgt also
nicht nur für ein weltweites Lohn- und Sozialdumping -
auch der Umweltschutz ist im weltweiten Standortwettbewerb
ein schwerwiegender Kostenfaktor.
7.
Nachteil der Globalisierung: Förderung des
Atomstroms!
Der
globale Dumpingwettbewerb bestimmt auch die Stromerzeugung.
Billiger Atomstrom setzt sich vielerorts trotz aller Risiken
durch.
8.
Nachteil der Globalisierung: Die Angleichung der Kulturen
und die Amerikanisierung der Welt
Manch
einer mag es als Vorteil sehen, wenn er überall in der
Welt die gleichen Hamburger essen und die gleichen Jeans
kaufen kann und das unerbittliche Profitstreben und die
westliche Kultur sich weltweit durchsetzen. Ich kann aber
verstehen, wenn anderen Kulturkreisen diese Vereinnahmung
und Egalisierung gar nicht gefällt.
9.
Nachteil der Globalisierung: Die Finanzwelt gerät
außer Kontrolle
Der
Abbau der Zölle bedeutet letztlich globaler
Dumpingwettbewerb bei der Produktion. Doch damit ist das
unfaire Spiel noch lange nicht zu Ende. Denn mit der
Auslagerung von Fabriken vollzieht sich auch eine
Internationalisierung im Finanzwesen. Die traditionelle
Bindung zu den inländischen Hausbanken verliert sich -
Kreditsucher und Geldanleger suchen weltweit nach besseren
Angeboten. Dies führt zu einer gefährlichen
weltweiten Vernetzung und Abhängigkeit der Banken
untereinander und zu ständig neuen Finanzprodukten, die
kaum noch jemand versteht und die von der staatlichen
Bankenkontrolle nicht mehr erfasst werden können.
(Näheres zur
Bankenkrise).
10.
Nachteil der Globalisierung: Steueroasen blühen auf und
gefährden den Sozialstaat
Welchem
deutschen Unternehmer wäre es vor 40 Jahren
eingefallen, über Briefkastenfirmen
in
Steueroasen
Ertragssteuern
einzusparen. Im Zuge der Globalisierung mussten die alten
Industriestaaten leider auch den Finanzmarkt liberalisieren
mit dem Ergebnis, dass sich für das vagabundierende
Kapital immer neue Schlupflöcher auftun. Damit wird
der natürliche Geldkreislauf unterbrochen und
unkontrollierbar - Kaufkraft wandert in dunkle
Kanäle ab und sozial ausgerichtete Staaten geraten in
Bedrängnis.
11.
Nachteil der Globalisierung: Viele Staaten können sich
nicht mehr selbst versorgen...
Durch
die Globalisierung geraten viele Staaten in eine
wirtschaftliche Abhängigkeit voneinander. Deutschland
kann zum Beispiel nur noch einen relativ kleinen Teil seiner
Konsumgüter selbst herstellen. Kommt es in für uns
wichtigen Ländern zu Umweltkatastrophen, Generalstreiks
oder Krieg, kann evtl. nicht einmal mehr der Grundbedarf
gedeckt werden. Selbstverständlich bricht auch unsere
Wirtschaft zusammen, wenn die für die Exportindustrie
notwendigen Zulieferungen ausbleiben.
Ob die starke Importabhängigkeit friedensstiftend
wirkt, ist unter Fachleuten umstritten.
12.
Nachteil der Globalisierung: Ausbreitung von Krankheiten und
Seuchen
Schon
im Mittelalter kamen als Beipack mit den Schiffsladungen aus
fernen Erdteilen Ratten und die Pest ins Land. Auch heute
verstärkt der übertriebene Welthandel die
Seuchengefahr. Zwar werden die Frachtcontainer häufig
eingegast (damit die Ware nicht durch Parasiten Schaden
nimmt), aber schon diese Praxis birgt schlimme
Gesundheitsschäden beim Entladen der Container am
Zielort. Hinzu kommt der mit dem Welthandel verbundene
geschäftliche Reiseverkehr, der innerhalb von wenigen
Jahrzehnten gigantische Ausmaße angenommen hat.
13.
Nachteil der Globalisierung: Spekulanten und Geldjongleure
beherrschen die Welt!
Wenn
alles aus den Fugen gerät, der inländische
Binnenmarkt nichts mehr gilt und durch den Zollabbau ein
unfairer, unkontrollierbarer globaler Produktions- und
Finanz-Wettbewerb die Oberhand gewinnt, dann ist die Stunde
der Spekulanten gekommen. Sie können mit geringem
Eigenkapital Währungs- und Börsenkurse
manipulieren und irrsinnige Renditen einstreichen. Auch
diese Profitgeier sind natürlich ständig
bemüht, die Globalisierung zu verherrlichen und deren
fatale Folgen zu vertuschen. Ihre größte Sorge
ist das Aufkeimen eines neuen Zoll-Protektionismus
-
denn der würde ihr einträgliches
Geschäftsmodell zerstören.
14.
Nachteil der Globalisierung: Es lassen sich kaum noch Lehren
ziehen...
Man
stelle sich vor, es gäbe eine Reihe von
unabhängigen Staaten mit einem intakten Binnenmarkt, in
denen der Außenhandel nur eine untergeordnete Rolle
spielt.
In so einer Konstellation würden schnell die
Stärken und Schwächen der unterschiedlichen
Volkswirtschaften sichtbar. Ein fairer, von außen
weitgehend unbeeinflusster Wettbewerb würde einen
ehrlichen Vergleich erlauben und erkennbar machen, welche
staatlichen Lenkungsmaßnahmen den meisten Erfolg
versprechen.
Es könnte ein echter Lernprozess stattfinden und die
besten Wirtschaftsmodelle würden anderen Staaten als
Vorbild dienen.
So würde das Lern- und Leistungsprinzip der freien
Wirtschaft übertragen auf die gesamte Volkswirtschaft -
durch stetes Lernen und Vergleichen ließen sich
Fehlentwicklungen vermeiden und der Staat könnte immer
weiter optimiert werden.
Eine
globale Finanz- und Realwirtschaft lässt dagegen kaum
noch Rückschlüsse zu. Alles ist dermaßen
miteinander verwoben, dass seriöse Analysen kaum mehr
möglich sind.
Haben Sie die
wichtigsten Auswirkungen der Globalisierung
erkannt?
Welches
sind die drei entscheidenden Nachteile der
Globalisierung?
Eine
Abhandlung über die Vorteile der Globalisierung finden
Sie
hier.
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Manfred
Julius Müller
analysiert
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