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Manfred Julius Müller "Aber wir sind doch Exportweltmeister"
Das Fundament für den verhängnisvollen Wunderglauben an die nützlichen Kräfte der Globalisierung bilden Irrtümer und falsche Zahlenwerke. Ein besonderes Gewicht entfällt dabei auf Deutschlands Titel als Exportweltmeister. Denn, so die einleuchtende Erklärung, belegt dieser Erfolg doch, wie gut dieses Land im Rennen liegt und wie sehr es von seinen vielen Exporten profitiert. Doch diese Annahme ist in vielerlei Hinsicht leider falsch: Exportweltmeister:
Exportweltmeister:
Bezieht man den Tourismus, die asiatische Softwareentwicklung, die ausländischen Call- und Buchhaltungscenter usw. in die Rechnung mit ein, dann schmilzt der Riesenüberschuss der Handelsbilanz schon beträchtlich zusammen. Die Leistungsbilanz, welche den grenzüberschreitenden Austausch der Dienstleistungen mit einbezieht, ist über die Jahre gesehen weniger beeindruckend. Beachtenswert sind auch die Geldabflüsse ins Ausland: Milliardensummen werden von Gastarbeitern in die Heimatländer transferiert, Altersrenten ins Ausland überwiesen, viel Geld fließt in die EU-Kassen, Entwicklungshilfen usw.
Exportweltmeister:
Die Fertigungstiefe an den einzelnen Endprodukten nimmt in Deutschland tendenziell ab, verlässliche Zahlen über den Wert der deutschen Anteils an den Ausfuhren gibt es nicht. Bei vielen Automodellen "made in Germany" soll inzwischen der deutsche Anteil an der Wertschöpfung nur noch bei ca. 30 % liegen. Auch in anderer Weise werden Importe tunlichst ignoriert. Man denke zum Beispiel nur an die vielen Einfuhren deutscher Auslandsurlauber.
Exportweltmeister:
Exportweltmeister:
Exportweltmeister:
Nun wird man einwenden, dass hauptsächlich Rohstoffe importiert und hochwertige Fertigwaren ausgeführt werden. Aber dieser Einwand stimmt schon lange nicht mehr, zumal ein Großteil der Rohstoffe heute über Rotterdam angelandet wird (350 Mio. t Güterumschlag in 2004), in den deutschen Statistiken also gar nicht mehr auftaucht. Exportiert werden aus Deutschland an hochwertigen Gütern hauptsächlich Autos und Maschinen, die auf einen Wert von ca. 10.000 Euro pro Tonne kommen. Der Wert der Einfuhren liegt zum Teil deutlich darüber: Textilien kommen vielleicht auf 20.000 Euro pro Tonne, bei LCD-Fernsehgeräten sind es dann bereits 100.000 Euro p. t, bei Notebooks 300.000 Euro p. t, bei Handys 1000.000 Euro p. t und bei Speicherkarten usw. liegt der Wert noch höher.
Exportweltmeister:
Was
sagen uns diese Zahlen? Schon von der Logik her muss man doch wohl einsehen, dass irgendetwas nicht stimmen kann, wenn ein Exportweltmeister wie Deutschland solch riesige Probleme mit der Massenarbeitslosigkeit, den Staatsfinanzen und dem Erhalt seines Wohlstandes hat. Als ich vor ca. 15 Jahren erstmals die Exportstatistiken in Frage stellte und vor einer gefährlichen Fehlinterpretation warnte, begegnete man mir mit Unverständnis und Kopfschütteln. Insofern erfüllt es mich mit Genugtuung, wenn inzwischen zahlreiche Experten meine Skepsis teilen, selbst wenn sie sie in Büchern und Interviews als ihre eigene neue Erkenntnis vermarkten.
PS1:
Die Zukunft sieht düster
aus! Wenn in vielen anderen Staaten für ein Bruchteil des hiesigen Lohnes geschuftet wird, dann ist es doch nur ein Frage der Zeit, wann in Deutschland die Lichter vollends ausgehen und auch die letzten Produktionsanlagen hier abmontiert werden. Was heute bei AEG abläuft, wird hinter verschlossenen Türen längst auch schon bei anderen Produzenten diskutiert und bald überall zur Debatte stehen. Die Politik darf deshalb nicht länger darauf vertrauen, dass Deutschland auch in zehn Jahren noch auf dem Weltmarkt eine führende Rolle spielt, vor allem darf sie sich nicht weiterhin an schönfärberischen Handelsbilanzen berauschen. Ein Hochlohnland wird den internationalen Preiskampf ganz gewiss nicht gewinnen können - es hat langfristig keinerlei Chance. Weil Deutschland keinen Einfluss auf die Wettbewerbsbedingungen am Weltmarkt hat, muss es sich mehr und mehr auf seinen eigenen Binnenmarkt besinnen. Denn nur dort kann der Staat die Bedingungen selbst bestimmen und für den Erhalt der eigenen Wirtschaft Sorge tragen. Wie Deutschland sich in der globalisierten Welt behaupten kann und den drohenden Exodus seiner Industrie abwenden kann, beschreibt mein Buch "Das neue Wirtschaftswunder. Die Entmachtung des globalen Dumpingsystems".
PS2:
Alle Hochlohnländer werden die gleichen Probleme
bekommen Und dann wird es vielleicht ähnlich ablaufen wie 1929. Damals endete die übertriebene Freihandelseuphorie in einer großen Weltwirtschaftskrise, die nur durch extremen Protektionismus und Nationalismus überwunden werden konnte. Muss es erst wieder so weit kommen?
Nachtrag
April 2010: Irlands
Exportwunder sollte zu denken
geben... Dabei
geht es den Iren kaum besser als den Griechen, die
Arbeitslosenzahlen und das Haushaltsdefizit
schnellten in die Höhe, das Land befindet sich
in einer tiefen Rezession und muss sparen - und
dann diese fantastischen Exportzahlen, die die
wahre wirtschaftliche Situation völlig auf den
Kopf stellen.
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Nachtrag: Das Ausland macht Druck...
Weiterführende Texte zu diesem Thema: Aber Deutschland lebt doch vom Export... Wann wird China die neue Supermacht?
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Weiterführende Publikationen: Ursachen
und Folgen der Finanz- und
Weltwirtschaftskrisen
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Nur was den Export von Arbeitsplätzen betrifft, ist Deutschland ganz bestimmt "Exportweltmeister". Näheres...
Wer
kennt schon das wahre Ausmaß der
Importe? Bei der Benzineinfuhr ist es noch schlimmer: Würden alle Pkws und Lkws auf deutschen Straßen auch hier tanken, könnte sich der Fiskus über zusätzliche Einnahmen von etwa zehn Milliarden Euro freuen. Warum schafft es die EU nicht, einheitliche Mineralölsteuern zu verordnen (dann wäre zumindest dieses Schmarotzertum aus der Welt geschafft).
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