Translater:


Der Fluch der langen Lieferketten …

 

Führt nicht einmal die Coronakrise zum Umdenken? Zwei Jahre nach dem Aufflammen der Pandemie bauen die Konzerne noch immer auf lange, weltumspannende Lieferketten. Noch immer schwören sie auf die "internationale Arbeitsteilung" (also das globale Lohn- und Konzernsteuerdumping). Was muss noch geschehen, damit sich die Welt endlich vom klimaschädlichen und pandemiefreundlichen Warentourismus, von der unnötigen Ex- und Importabhängigkeit befreit?

 

Verabschiedung von verhängnisvollen Lebenslügen …
Noch immer wird uns über private und staatliche Leitmedien eingeredet, "Deutschland profitiere ganz besonders … von der EU, dem Euro, der Nullzinspolitik, der weitgehenden Zollfreiheit (dem globalen Unterbietungswettbewerb), der Zuwanderung usw. Dabei werden die entlarvenden Fakten verdrängt: Seit 1980 sinken nämlich die realen Nettolöhne und Renten und die Zahl der Arbeitslosen hat sich seit 1962 gar verzwanzigfacht. Diese offensichtlichen Beweise des schleichenden Niedergangs werden leider nicht genutzt, die bisherige Wirtschaftsideologie zu überdenken - man greift stattdessen lieber zu den probaten Mitteln unseriöser Propaganda, zur Verschleierungs- und Beschönigungstaktik und zur haarsträubenden Bilanzkosmetik (indem zum Beispiel alte Berechnungsweisen immer wieder geändert werden).

 

Einschränkung des Kurzarbeitergeldes …
Warum richten in Deutschland die Lieferengpässe vermeintlich keine großen Schäden an, warum bleiben die Global Player trotz stockender Lieferketten so gelassen? Ganz klar: Weil der Staat über das Kurzarbeitergeld ein Großteil der Kosten übernimmt. Der Staat haftet quasi für das Risiko, die globale Lieferketten nun einmal mit sich bringen. Finanziert wird das Ganze über eine hochbrisante Billiggeldschwemme (Nullzinspolitik) und die Steuern der Durchschnittsverdiener.

 

Rückbesinnung auf das Wirtschaftswunder …
Wäre eine Rückbesinnung auf alte Wirtschaftswunderzeiten eine Todsünde? Nach dem II. Weltkrieg konnte sich Deutschland weitgehend autonom versorgen (mit den primitiven Technologien und Maschinen von damals). Das erzeugte einen jährlichen Wohlstandsschub von über sechs Prozent Zuwachs. Davon kann man heute nur noch träumen. Seriös gerechnet geht es seit 1980 nur noch abwärts. Weil das zollächtende globale Dumpingsystem nicht nur ausbeuterisch (menschenverachtend), sondern auch kontraproduktiv ist. Und umweltschädigend. Und pandemiefördernd.

 

Loslösung von der konzernfreundlichen Politik …
Auch davon wollen EU- und Globalisierungsfanatiker nichts wissen. Doch natürlich dominieren die mächtigen Aktienkonzerne inzwischen die weltweite Politik. Inzwischen ist fast alles nach deren Wohl und deren Interessen ausgerichtet. Die Nullzinspolitik sorgt zum Beispiel nicht nur für den erwünschten Aktienhype, sie beschert auch absurd günstige Kredite (die man zum Aufkauf der mittelständischen Konkurrenz (die an solch billige Kredite nicht herankommt) nutzen kann. Oder halt zum gnadenlosen Vernichtungs-Preiskampf (wobei der kleinere Konkurrent in der Regel unterliegt). Dies befeuert wiederum die Monopolbildung, die ebenfalls zu Lasten der Verbraucher (der Menschheit) geht. Konzernen ist es ja sogar erlaubt, sich weitgehend von ihren Kunden abzuschirmen. Versuchen Sie zum Beispiel einmal bei amazon, eine Telefonnummer ausfindig zu machen.

 

Warum hat China die Corona-Krise so schnell überwunden?
19. Oktober 2020: In den Fernsehnachrichten wird vermeldet, dass China die Coronakrise bereits wirtschaftlich bewältigt hat. Das BIP Chinas fiel trotz des schlechten 2. Quartals in den ersten neun Monaten insgesamt höher aus als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Eine Begründung für dieses Phänomen wurde aber nicht gegeben. Die möchte ich hiermit nachliefern.

1. Die chinesische Wirtschaft befindet sich anders als die übrige Welt weitgehend in einem geschlossenen Kreislauf. Alles, was für ein komplexes Produkt benötigt wird, kann (bis auf manche Rohstoffe) im eigenen Land hergestellt werden. Deutsche Hersteller befinden sich dagegen zumeist in der Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern. Daher stockt die Produktion, wenn die eine oder andere Bagatell-Komponente (Schrauben, Scharniere usw.) nicht lieferbar ist bzw. verzögert eintrifft. Hier zeigt sich wieder, wie gefährlich die Just-in-Time-Ideologie ist. Unser Staat darf in solchen Fällen über das Kurzarbeitergeld einspringen (also haften für das schlechte System). Wegen seiner Unabhängigkeit von ausländischen Zulieferern kann China in Corona-Zeiten seine Marktanteile in vielen Bereichen festigen und ausbauen.
2. Der zweite Faktor: Chinas Wirtschaftswachstum betrug in den letzten Jahren jeweils mindestens sechs Prozent. Wenn es 2020 nun wegen Corona auf ein Prozent sinkt, liegt es immer noch im positiven Bereich, selbst wenn es um fünf Prozent niedriger ausfällt als gewöhnlich. Da es in den westlichen Industrienationen aber schon seit langem kein nennenswertes echtes Wirtschaftswachstum mehr gibt, rutscht man dort in der Krise sofort in den Negativzone.

 

 

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© Manfred Julius Müller (unabhängiger, parteiloser Wirtschaftsanalyst und Zukunftsforscher). Erstveröffentlichung 2020

 

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