Shanghai
Die
Vorteile der Globalisierung
von Manfred Julius Müller, 5. Juli 2007
Der Propagandaapparat der mächtigen Kapitallobby reitet verständlicherweise immer wieder auf den vermeintlichen Vorzügen der Globalisierung herum. Werden aber die parteiischen Vorteilsnehmer einmal in die Enge gedrängt und gezwungen, auch über entstandene Schwierigkeiten zu sprechen, dann werden diese verniedlicht und es so gedreht, als würden die Vorteile eindeutig überwiegen. Wie steht es denn nun wirklich um die sagenumwobenen Vorteile, welches sind die Pluspunkte der Globalisierung?
1. Vorteil
der Globalisierung: Die Globalisierung mehrt den Wohlstand in den
Industrienationen
Um diesen
Unsinn zu belegen, werden immer wieder abenteuerliche Statistiken
konstruiert. Da wird dann zum Beispiel gerne auf dem
Wirtschaftswachstum herumgeritten, welches ja tatsächlich auch
vorhanden ist. Leider stellt aber niemand die Frage, was ein stetes
Wirtschaftswachstum nützt, wenn die Arbeitseinkommen der
Bevölkerung gleichzeitig sinken? Was zählt, ist doch nicht
das Wirtschaftswachstum, sondern das, was tatsächlich dabei
herauskommt, also die Wohlstandsentwicklung. Und hier bringt die
Globalisierung weniger als nichts, sie verhindert nicht nur den
normalen durch den Produktivitätsfortschritt anfallenden
Fortschritt, sie beschert vielen Industrieländern auch noch
einen sich ausbreitenden Wohlstandsabstieg.
2.
Vorteil der Globalisierung: Die Globalisierung ermöglicht
einigen Schwellenländern den Aufstieg zur Industrienation
Allein in
diesem Punkt könnte man geneigt sein, der Behauptung
zuzustimmen. Bei näherer Betrachtung wird aber deutlich, dass
auch dieser scheinbare Erfolg trügerisch und zumindest
äußerst fraglich ist. Denn niemand kann schließlich
beurteilen, wie die Entwicklung in diesen Ländern ohne
Globalisierung (ohne rigiden Zollabbau) verlaufen wäre. Auch vor
der Globalisierung hat sich die Situation in zahlreichen
Entwicklungsländern verbessert, weil die Verhältnisse sich
dort geändert haben (Bekämpfung der Korruption,
Bildungsoffensive, Entwicklungshilfen, Demokratisierungsprozesse
usw.).
Der Aufstieg Chinas zum Beispiel hängt zum großen Teil mit
der Abkehr vom lähmenden kommunistischen System und mit
allgemeinen produktionstechnischen Fortschritten zusammen - welchen
Anteil die Globalisierung an diesem Erfolg hat, kann schwerlich
abgeschätzt werden. Ein marktwirtschaftlich orientiertes China
hätte ohne Globalisierung eine andere Entwicklung genommen,
wäre nicht in dem heutigen Ausmaß zur Werkbank der Welt
geworden, hätte aber vielleicht stattdessen mehr für den
Inlandsmarkt produziert und ein überschaubareres
Wirtschaftswachstum gehabt.
3. Vorteil
der Globalisierung: Die Globalisierung ist die große Chance
für alle Entwicklungsländer
"Chance"
ist das beliebte Zauberwort für alle, die konkrete Erwartungen
nicht aufbieten können. Tatsächlich geht es heute vielen
Entwicklungsländer schlechter als vor der Globalisierung, weil
deren schwache Wirtschaft mit der ausländischen Billigkonkurrenz
nicht mithalten kann. Selbst die traditionsreichen Kleider der
Afrikanerinnen kommen heute schon zum großen Teil aus China und
machen die lokalen Schneider arbeitslos. Ohne Dumpingprodukte aus dem
Ausland würde es manchen Entwicklungsländern deutlich
besser gehen.
4. Vorteil
der Globalisierung: Die Globalisierung beschleunigt den weltweiten
Demokratisierungsprozess
Auch diese
Behauptung ist kaum mehr als eine unbeweisbare Luftnummer. Einmal
ganz konkret: Welche Länder sind durch die Globalisierung
demokratisiert worden? Demokratisierungsprozesse gab es zu allen
Zeiten und selbstverständlich auch schon vor der Globalisierung.
Die rasante Entwicklung der Nachrichten- und Informationstechniken
haben sicherlich einen positiven Einfluss auf den
Demokratisierungsprozess, aber will man nun allen Ernstes den
technischen Fortschritt auch noch der Globalisierung
einverleiben?
5. Vorteil
der Globalisierung: Die Globalisierung beschleunigt den technischen
Fortschritt
Wem
gehört der technische Fortschritt? Die Globalisierungslobby tut
gerade so, als wenn es vor 1980 noch keine Zivilisation, keine
Forschung und keine Erfindungen gab. Selbst die Erfolge im
Nachrichten- und Kommunikationssektor beruhen aber hauptsächlich
auf permanente Verbesserungen alter Produkte. Solche
Weiterentwicklungen sind absolut natürlich und finden auch ohne
Globalisierungseffekte statt.
Zwar mag einerseits das Forschen rund um die Uhr in allen Erdteilen
die Innovationskraft beschleunigen, andererseits wird aber durch den
globalen Verdrängungswettbewerb die Konkurrenz dezimiert. Ein
solcher Monopolisierungstrend dient langfristig sicher nicht dem
Fortschritt.
Hinderlich zeigt sich die Globalisierung auch bezüglich der
Produktivitätssteigerungen - wozu bessere und schnellere
Maschinen entwickeln, wenn billige Arbeitssklaven in China, Indien
oder Vietnam für ein paar Cent die Stunde arbeiten?
6. Vorteil
der Globalisierung: "Eine Spezialisierung in der Produktion sorgt
für Kostenvorteile..."
Die
Uralt-Theorie des englischen Ökonoms David Ricardo geistert auch
heute noch in den Köpfen vieler Menschen herum: Ricardo
behauptete vor 200 Jahren, dass eine Spezialisierung in der
Produktion den Staaten mehr Wohlstand bringe. Doch seine Theorie ist
albern und längst widerlegt. Echte Standortvorteile ergeben sich
dabei nur für bestimmte landwirtschaftliche Güter (klar,
dass man in Deutschland nicht vernünftig Kaffee oder Bananen
anbauen kann). Bei allen anderen Produkten bringt eine
Spezialisierung keine Standortvorteile.
Autos, Computer, Textilien usw. lassen sich fast überall in der
Welt herstellen - Wettbewerbsvorteile entstehen hauptsächlich
durch gravierende Unterschiede bei den Löhnen und Steuern. Nach
Ricardo müsste die Produktion auf Grund dieser Kostenschere nur
noch in den Billiglohnländern stattfinden - aber was hätten
dann die Hochlohnländer zum Tausch anzubieten?
Oder die Staaten müssten sich untereinander absprechen:
Deutschland übernimmt die Autoproduktion für die Welt,
China spezialisiert sich auf Fernseher und Computer, die USA auf
Baumwolle und Textilien. Dann hätten wir überall die
schönsten Monopole! Wie kann es sein, dass die absurde
Ricardo-Theorie noch heute Befürworter findet?
7. Vorteil
der Globalisierung: Die Kulturen wachsen zusammen - alle Menschen
werden Brüder
Was so nett
und anheimelnd klingt, hat leider auch seine Schattenseiten, weil
manche Kulturen sich von der westlichen Wertedominanz vereinnahmt und
überrumpelt fühlen. Ist unsere profitorientierte
Lebenseinstellung wirklich das Maß aller Dinge? Vielleicht
entpuppt sich der gesellschaftliche Egalisierungsprozess eher als
Fluch denn als Segen. Es wäre vermessen und vor allem
verfrüht, über diesen Punkt ein abschließendes Urteil
zu fällen.
Wie man sieht,
bleibt bei genauerer Betrachtung von den vermeintlichen Vorteilen der
Globalisierung nicht viel übrig. Es kann sein, dass es einigen
hundert Millionen Menschen durch die Globalisierung besser geht,
sicher aber scheint, dass einige Milliarden Menschen dafür
bluten müssen. und dass die Globalisierung den Wohlstandsanstieg
in den "reichen" Ländern zum erliegen gebracht hat.
Ohne Globalisierung hätte sich der Wohlstand in der westlichen
Welt seit 1980 in etwa verdoppelt - da wäre es ein Klacks
gewesen, die Entwicklungshilfen für die armen Länder zu
vervielfachen. Mit diesen Geldern hätte man vermutlich weit mehr
erreicht, als es die Globalisierung in einigen Schwellenländern
vermocht hat.
Eine Abhandlung
über die Nachteile der Globalisierung finden Sie
hier.
Link zum Thema: Lässt
sich die Globalisierung abschalten?
Link zum Thema: Die
Ursachen der Globalisierung.
Profitieren wir wirklich von den Billigimporten?
Treibt uns die Globalisierung in den Ruin? Wie kann der Westen verhindern, zum völligen Verlierer der Globalisierung zu werden?
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"Aber
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Stimmen
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Mit
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Opel
und die Versteigerung von Arbeitsplätzen
Das
Beispiel Opel zeigt, wie die Globalisierung wirklich
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Lassen
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Was
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Das
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Brauchen
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"Viel
Feind, viel Ehr!" Wie immer wieder versucht wird, die Verbreitung
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Brauchen
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beginnen prominenten Wirtschaftsfachleute einzugestehen, dass der
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Was steckt dahinter?
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Die
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Wikipedia
ist zweifellos eine wertvolle Informationsquelle. Was passiert aber
im sensiblen politischen Bereich? Nutzen selbsternannte
Meinungswächter das mächtige Portal zur Beeinflussung der
Öffentlichkeit?
Die
gekaufte Meinung am Beispiel der Propaganda für die
EU-Osterweiterung
Wie
mit Steuergeldern die Bevölkerung beeinflusst wird.
Ricardos
Irrtum
Die
Globalisierungslobby beruft sich immer noch auf die Irrlehren
prominenter Ökonomen vergangener Epochen.
Wie
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ohne Arbeitsleistung gehört zum Grundprinzip unserer
Sozialstaates. Was würde geschehen, wenn die Beschäftigten
ebenso wie die Erwerbslosen eine Grundabsicherung
bekämen?
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Unmut
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Freude, Eierkuchen. Ist die Globalisierung wirklich das
alternativlose Zukunftsmodell?
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Wohlstand in Europa geben?
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In
einem globalen Dumpingwettbewerb wäre die strikte Absenkung der
Lohnnebenkosten die zwingendste Maßnahme.
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Globalisierung wäre der Klimawandel nicht zu
bewältigen!"
Die
Propagandisten der Globalisierung kennen keine Skrupel. Jetzt
verkaufen sie den internationalen Warentourismus sogar noch als
umweltschonend.
Der
ruinöse Milchpreis...
Kein
Erbarmen mit den Landwirten?
Warum
schaut die Politik zu, wenn die Landwirtschaft vor die Hunde
geht?
Weitere
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www.kapitalismus-online.de,
www.weltwirtschaft-globalisierung.de,
www.parlamentswahlen.de
Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und
veröffentlichte unzählige Aufsätze zu den
verschiedensten Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die
weltweit neue Maßstäbe setzten und in manchen Ländern
in wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten.
Inzwischen sind auch einige Bücher erschienen, u. a.
"Das
Kapital und die Globalisierung".