Manfred Julius
Müller
Wachsender
Unmut
Der Widerstand gegen die ausufernde Globalisierung wächst. Ich möchte hier nicht auf die schrecklichen Ereignisse am 11. 9. 2001 in New York eingehen, denn die Beweggründe dieser Wahnsinnigen sind verworren und kein Maßstab. Es geht vielmehr um das sich formierende Aufbegehren in der zivilisierten Welt, zum Beispiel in Genua, wo 150.000 Demonstranten durch ein riesiges Polizeiaufgebot vom Verhandlungsort ferngehalten werden mussten.
Weite Teile der Bevölkerung fühlen sich offenbar von ihren Politikern verschaukelt. Die Illusion der repräsentativen Demokratie ist ausgeträumt. Das Wahlvolk hat selbst auf die wichtigsten Entscheidungen keinerlei Einfluss mehr. Ob es nun um die Einführung des Euro, um den Abbau von Zollschranken, die weitgehende Auflösung des Nationalstaates geht - die Meinung der Bevölkerung scheint viele Politiker nicht wirklich zu interessieren.
Dieser
selbstherrliche Umgang mit der Macht ist es wohl auch, der immer mehr
Leute auf die Palme oder aber auf die Straße bringt. Die
völlige Ohnmacht den Regenten gegenüber, die so freundlich
in die Fernsehkameras lächeln und standhaft beteuern, doch nur
stets das Beste zu wollen oder vorgeben, dass es sowieso zu ihren
klugen Entscheidungen keine Alternative gibt.
Wie
neutral sind die Medien?
Was mich
besonders bekümmert - die Medien sind sich oft nicht zu schade,
dieses Spielchen auch noch zu unterstützen. Da werden alle
Demonstranten vorschnell in die Ecke der Krawallmacher gerückt,
von Gewalttourismus und Konzeptlosigkeit ist die Rede.
Selbst "Der Spiegel", meiner Meinung nach immerhin eine der
aufschlussreichsten und seriösesten Informationsquellen, konnte
zu meiner Enttäuschung in einer Titelstory über Genua seine
Voreingenommenheit nicht ablegen. Nach einem zwar interessanten, aber
doch sehr langatmigen Teil der Bestandsaufnahme wurde
schließlich eine der Kernthesen vieler Globalkritiker, die
Rückbesinnung auf vernünftige Zollgrenzen, von vornherein
verworfen und tabuisiert. Hält man dieses Abblocken einer
offenen Diskussion tatsächlich für erforderlich?
Alle Experten seien
sich einig in ihrer strikten Ablehnung gegen den Protektionismus,
wurde kühn behauptet. Doch haben die Spiegel-Autoren wirklich
alle Experten angehört oder haben sie sich schlicht der Logik
bedient, dass, wer einem maßvollen Protektionsmus etwas
abgewinnen kann, seinen Expertenstatus verloren hat?
Die
Tabuisierung des Protektionismus
Die
Tabuisierung des "Protektionismus" ist deshalb so gefährlich,
weil sie von vornherein eine nachhaltige Lösung des
Globalisierungsproblems nahezu ausschließt. Wer auf
einheitliche Regeln setzt, Mindestlöhne, höhere Öko-
und Sozialstandards fordert, der ignoriert die Realität, die
Machbarkeit. Regeln helfen nur, wenn alle Staaten mitmachen. Aber
eine solche Einigung ist Utopie, die Interessengegensätze sind
einfach zu groß. So versucht man z. B. seit 30 Jahren, den
Kapitalhandel
mit einer minimalen Steuer
von 0,1 % zu belegen - allerdings ohne jeden Erfolg. Alle Staaten
unter einen Hut zu bekommen, erweist sich einmal mehr als Illusion.
Hinzu kommt, dass Regeln wenig nützen, wenn sie nicht
eingehalten werden. Selbst die USA zeigen wenig Respekt vor Abkommen
- wie will man aber Millionen chinesische Betriebe
kontrollieren?
Das Traurige ist, dass sich selbst Globalisierungsgegner von solchen Regulierungs-Wunschträumen vereinnahmen lassen. Die Leute, die solchen Phantastereien auf dem Leim gehen, unterstützen letztlich das vorhandene Ausbeutungssystem, indem sie es zulassen, dass der Protest in eine Sackgasse abgeschoben wird.
Wer aufrichtig an die Machbarkeit von weitreichenden Regeln im Welthandel glaubt, dürfte doch eigentlich gegen eine vernünftige, folgerichtige Vorgehensweise nichts einzuwenden haben. Das hieße dann klipp und klar: Solange keine allgemeinen Handelsregeln gelten, die das weltweite Lohn-, Öko- und Sozialdumping verhindern, solange sollte ein angemessener Schutz vor Billigimporten vorhanden sein. Erst wenn tatsächlich ein fairer Wettbewerb zustande kommt, könnten Importsteuern oder ähnliches abgebaut werden.
Es wurde aber genau
umgekehrt verfahren: Erst wurde die Mogelpackung "freier Welthandel"
geschaffen und nachträglich besinnt man sich auf Regeln. Nun
fehlt es an Druckmitteln, um diese Regeln durchzusetzen, die
Trümpfe wurden leichtfertig verspielt. Die Dumpingstaaten bzw.
die Großkonzerne haben alles erreicht, warum sollten sie sich
jetzt noch auf Zugeständnisse einlassen?
Ablenkung
von der Achillesferse
Die Profiteure
der Globalisierung kennen ihre Achillesferse nur zu genau:
Würden wieder intakte Zollgrenzen eingeführt, müssten
sich auch die Importe an den Kosten des Sozialstaates beteiligen -
damit bräche das weltweite Dumpingsystem in sich zusammen.
Welchem
Hersteller nützt eine Produktionsauslagerung ins gelobte
Billiglohnland, wenn bei der Einfuhr die eingesparten Kosten durch
eine Importsteuer wieder verloren gehen?
Selbst Subventionen für neue Fabriken würden nicht mehr wie
gewohnt fließen, weil die Staaten es gar nicht nötig
hätten, um Investoren zu buhlen. Da die Profiteure der
Globalisierung sehr wohl wissen, dass sie ihre großen Profite
hauptsächlich dem Wegfall der Zollschranken verdanken, haben sie
dem "Protektionismus" den Kampf angesagt.
Allein schon die
Wortwahl ist geschickt. Zum einen, weil viele Leute gar nicht wissen,
was damit gemeint ist (damit hat man diese Gruppe weitgehend
ausgeschaltet), zum anderen, weil der Begriff viele negative
Assoziationen hervorruft. Warum verbarrikadiert man sich immer hinter
diesem Unwort, warum diskutiert man nicht offen über
Importsteuern usw.?
Anpassung
Die
wortgewandten Kommentatoren verstehen ihr Handwerk. Der VW-Untertarif
5000 mal 5000 wird nahezu einhellig als Durchbruch und wegweisender
Erfolg gefeiert. Endlich habe man den Ernst der Lage erkannt und
eingesehen, dass eine "Anpassung
an die internationalen Arbeitskosten unausweichlich
ist". Das
Modell "sei richtungsweisend für alle Branchen und für die
Zukunft, wir brauchen Lohnflexibilität, staatliche
Lohnzuschüsse usw.".
Was die
Kommentatoren verschweigen: Die Anpassung an die internationalen
Lohnkosten (wer weiß, auf welches Niveau wir uns noch begeben
müssen) ist nur bei Beibehaltung der jetzigen Globalisierung
erforderlich. Die Aussage ist unzutreffend, wenn man den freien
Welthandel durch importverteuernde Steuern oder andere
Maßnahmen (wie im Buch "Anti-Globalisierung. Zurück zur
Vernunft!" beschrieben) disziplinieren würde. Der Trick der
Kommentatoren ist wenig originell: Nur
durch das Verschweigen der Alternativen wirken ihre Thesen glaubhaft
und überzeugend.
Flensburg, im März 2002
Home (Eingangsseite www.anti-globalisierung.de mit Menueleiste)
© Manfred J. Müller, Flensburg
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Manfred Julius Müller DAS
KAPITAL Plädoyer für die Entmachtung des Kapitals und die Rückbesinnung zur Marktwirtschaft 172 Seiten, Format 17x22 cm, Verkaufspreis 13,50 Euro, Erstauflage März 2008 Klappentext: In der Globalisierung aber gelten keine marktwirtschaftlichen Gesetze, da kann das Kapital schalten und walten wie es will und ein Land oder ein Volk gegen das andere ausspielen. Dieses Buch ist kein Pamphlet gegen das Kapital, sondern ein Plädoyer für die Renaissance der Marktwirtschaft. Der Kapitalismus muss nicht abgeschafft, aber er muss dringend reformiert werden. Die Humanisierung unseres Wirtschaftssystems darf nicht länger als Utopie dargestellt werden &endash; es bedarf nur einfachster Mittel, dem Kapitalismus wieder ein menschliches Antlitz zu verleihen
"Welchen Wert haben reißerische Bücher über die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands, wenn das herausragende Phänomen der sinkenden Realöhne bei steigender Produktivität einfach ignoriert wrid?"
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Reallöhne und Renten seit 1980 tatsächlich gesunken sind. "Aber man kann ja doch nichts ändern!"
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Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und
veröffentlichte unzählige Aufsätze zu den
verschiedensten Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die
weltweit neue Maßstäbe setzten und in manchen Ländern
in wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten.
Inzwischen sind auch vier Bücher erschienen: "Die Kultivierung
des Kapitals", 2001, "Anti-Globalisierung. Zurück zur
Vernunft!", 2002, "Das neue Wirtschaftswunder. Die Entmachtung des
globalen Dumpingsystems", 2005, "Das
Kapital und die Globalisierung",
2008. Müller ist Inhaber eines Versandhauses und gewinnt von
daher einen praxisnahen Einblick in die Abartigkeiten des globalen
Verdrängungswettbewerbs.
Interessant sind sicher auch folgende Spezialthemen: Freihandelszone, Wirtschaftswunder, Mehrwertsteuererhöhung, Biogas, Pressefreiheit, Renten, Demokratie, Kommunismus, Sozialreformen, Grundeinkommen, Lkw-Maut, Agenda 2010, Mindestlohn, Exportweltmeister, Mehrwertsteuer, China, Kombilohn. seit 1980 sinken die Löhne, die Umfinanzierung der Pflegeversicherung, Referate erstellen zum Thema Globalisierung, lässt sich die Globalisierung abschalten, Ursachen der Globalisierung, Globalisierungsprobleme, Deutschland und die Globalisierung, Globalisierung und Wirtschaft, Nachteile der Globalisierung, Folgen der Globalisierung.