Globalisierungs-Literatur

Die Globalisierung dominiert heute jede nationale Politik. Der Umgang mit der Globalisierung entscheidet letztlich über Aufstieg und Niedergang eines jeden Staates.

Welche Bücher sind im Zeitalter der Globalisierung am besten geeignet, die politischen Probleme richtig zu deuten und einen Weg aus der sich anbahnenden Katastrophe zu weisen?

Natürlich handelt es sich auch bei diesen Kurz-Rezensionen nur um persönliche Einschätzungen und nicht etwa um amtliche Expertisen. Sollten Sie in dem einen oder anderen Fall ganz anderer Meinung sein, dürfen Sie sich gerne im Forum dazu äußern.

Manfred Julius Müller

Atlas der Globalisierung
198 Seiten, © 2006, 12,- Euro
Mehr ein Nachschlagwerk als ein Lesebuch. Mit einer Vielzahl von farbigen Grafiken. Das Buch liefert eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation - nach Lösungen zur Behebung der Menschheitsprobleme sucht man meist vergebens. Viele der 100 Themen haben mit der Globalisierung wenig zu schaffen. Wegen der zahlreichen Autoren ist keine einheitliche Linie und kein roter Faden erkennbar, so dass das Heft bei den meisten Leser keinen bleibenden Eindruck hinterlassen wird (schon nach einigen Wochen wird man sich kaum noch an irgendetwas erinnern können).

Globalisierung verstehen: Unsere Welt in Zahlen, Fakten, Analysen
192 Seiten, © 2007, 12,- Euro
Dieses Heft ist so ähnlich aufgemacht wie der "Atlas der Globalisierung", wo bei es aber von einer ganz anderer, nämlich äußerst kapitalfreundlichen. Ecke kommt. Auch hier wieder viele Themen, Daten und Tabellen, wobei die Themenauswahl aber deutlich gelungener ist. Die Aufsätze gehen zum Teil wirklich ans Eingemachte, man versucht den Nutzen der Globalisierung zu belegen. Leider geschieht dies nach meinem Empfinden aber so einseitig, das von Objektivität und Bemühen um Aufklärung wirklich nicht mehr die Rede sein kann. Das Heft ist in meinen Augen eine einzige Propagandaschrift, man versucht mit allen Tricks, die Wahrheit zu verbiegen und die Argumente der Globalisierungskritiker zu widerlegen.

Manfred Julius Müller
Das Kapital und die Globalisierung
Die Entmachtung des globalen Dumpingsystems
152 Seiten, 17x22 cm, 500.000 Zeichen, © März 2008, Euro 13,50

In der Öffentlichkeit wird nur diskutiert über Einzelaspekte, zum Beispiel über den Mindestlohn, Umweltschutz, Bankenpleiten, Spekulanten, steigende Preise für Nahrungsmittel, Benzin und Strom, unterbezahlte Zeitarbeit, Minijobs, Massenarbeitslosigkeit, Armutsrenten, Pendlerpauschale, Studiengebühren usw..

Doch bei diesen Debatten dreht man sich nur im Kreis, weil derlei Themen nicht separat betrachtet werden können - man muss sie im Kontext zur Gesamtlage sehen. Erst wenn man die Mechanismen der Weltwirtschaft zu deuten versteht, kann man auch solide Konzepte erarbeiten. Mein neues Buch soll die komplexen Zusammenhänge aufzeigen und deutlich machen, wo man mit Reformen ansetzen muss, um die Probleme nachhaltig zu lösen.

"Welchen Wert haben reißerische Bücher über die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands, wenn das herausragende Phänomen der sinkenden Reallöhne bei steigender Produktivität einfach ignoriert wird?"
(seit 1980 stieg die Produktivität um über 70 %, die Reallöhne und Renten sanken aber 15 %)

Wie sehr manche Leute die Analysen dieses Buches fürchten erkennt man auch an den unqualifizierten "Leserrezensionen", die offenbar eine Verbreitung dieses Buches verhindern sollen.

Globalisierung: Schwarzbuch Globalisierung

Jerry Mander
Schwarzbuch Globalisierung
524 Seiten, © 2002
Insgesamt besehen ein respektables Buch, welches die Geißel der Globalisierung anschaulich schildert und zur Umkehr, zur Lokalisierung und zur Schonung der Ressourcen aufruft. Die Ziele sind klar abgesteckt, die Autoren wissen, was sie wollen. Aber wie schafft man diese Veränderungen? Es genügt nun einmal nicht, an die Vernunft der Menschen zu appellieren oder gar die Forderung in den Raum zu stellen, die wirtschaftliche Tätigkeit müsse gedrosselt werden. Dem Buch fehlen konkrete Reformvorschläge, die die nationale Politik auch umsetzen kann. Selbst wer die Ansichten der Autoren teilt (was nicht immer ganz einfach ist) und die 500 Buchseiten brav durchgeackert hat, wird letztlich kaum wissen, wie denn nun die gewünschte Wandlung erreicht werden soll.

Atlas der Globalisierung
200 Seiten, © 2006
Es handelt sich hier eigentlich mehr um ein Nachschlagewerk, an dem über 60 französische Autoren mitgewirkt haben. Für sein Geld kommt der Käufer eine Menge geboten, es wimmelt von Schautafeln und Statistiken, insgesamt werden 100 völlig unterschiedliche Themen aufgegriffen.
In diesem Wust von Informationen gehen die wirklich relevanten Probleme der Globalisierung aber weitgehend verloren. Themen wie "Sri Lanka fehlt der Wille zur Förderation", "Die Welt aus der Sicht Tokios" oder "Japan: kalte Freundschaft zu den USA" füllen das Werk. Es werden viele Einzelaspekte abgearbeitet, aber nicht erörtert, wie man denn nun die negativen Folgen der Globalisierung verhindern oder abschwächen könnte.

Globalisierung: attac

Christiane Grefe, Mathias Greffrath, Harald Schumann
Attac. Was wollen die Globalisierungskritiker?
221 Seiten, © 2002
Das Buch beschreibt die Krisen in Asien und Argentinien und beklagt die falsche IWF-Politik. Gefordert wird einmal mehr die Tobin-Tax und die Schließung der Steueroasen (wer will das nicht). Der zweite Teil des Buches befasst sich mit der Geschichte von attac, den Abschluss bilden vier Interviews. Eine Bewertung und Analyse der Ziele und Aktionen von attac finden sich leider nicht. Kritiker bezeichnen dieses Buch als Werbebroschüre von attac. Für Neueinsteiger zum Thema Globalisierung ist das Buch aber durchaus lesenswert.

Globalisierung: Henkel

Hans-Olaf Henkel
Die Ethik des Erfolgs.
Spielregeln für die globalisierte Gesellschaft.
292 Seiten, © 2002

Musterbuch der neoliberalen Propaganda!
Henkel versucht zu erklären, welche Vorteile die globalisierte Welt mit sich bringt. Wer sich selbst zur Elite zählt, wird von diesem Buch begeistert sein. Bloß weg mit diesem verkrusteten Umverteilungsstaat - es lebe die Freiheit des Einzelnen und die neue Leistungsbereitschaft!

Glaubt Herr Henkel wirklich, was er predigt? Meint er, man könne mit einer ständigen Erhöhung des Leistungsdrucks und immer weiterem Sozialabbau mit den weltweiten Billigstlöhnen auf Dauer konkurrieren? Glaubt er, die Globalisierung fördere die Marktwirtschaft, wo doch weltweit ein völlig ungleicher, irrationaler Wettkampf tobt?

Henkel und seine Glaubensgenossen gehen immer wieder von der falschen Annahme aus, dass es souveräne Staaten mit entsprechenden Zollgrenzen (die den unfairen Wettbewerb ausgleichen) nicht mehr geben darf.

Erst wenn es auf der Erde nur noch ein einziges Land, also eine Weltregierung geben würde, hätten manche neoliberalen Thesen eine gewisse Berechtigung. Dann gäbe es aber auch überall einheitliche Bedingungen (gleiche Steuern, gleiche Soziallasten, gleiche Zinsen, gleiche Geldpolitik, gleiches Preisniveau, gleiches Lohnniveau, gleiche Ökostandards usw.).

Globalisierung Steingart

Gabor Steingart
Deutschland - der Absturz eines Superstars

303 Seiten, © 2003
Bei diesem Buch kommen die gutgläubigen Statistik-Fetischisten voll auf ihre Kosten. Gabor schildert den geschichtlichen Werdegang der Bundesrepublik Deutschland und versucht zu deuten, was in der Vergangenheit alles schief lief und welche Korrekturen jetzt notwendig scheinen. Der Spiegel-Mann bietet - wen wunderts - eine „Spiegel"-typische Aufarbeitung. Weite Teile des Buches wurden im Spiegel zur Markteinführung vorabgedruckt (welch bombige Reklame). Ich denke auch, dass das Buch die offizielle Spiegelmeinung wiedergibt, also schwerpunktmäßig neoliberale Reformen und für den neutralen Anstrich als Dreingabe einige bürgerfreundliche Empfehlungen. Die geschichtliche Aufarbeitung ist nicht uninteressant, ansonsten findet man aber kaum von dem Mainstream abweichende Gedankengänge.

Globalisierung: Das neue Wirtschaftswunder

Manfred Julius Müller
Das neue Wirtschaftswunder
Die Entmachtung des globalen Dumpingsystems
152 Seiten, 17x22 cm, 444000 Zeichen, © September 2005, Euro 12,-

Deutschland könnte ganz anders dastehen - Vollbeschäftigung und steigende Löhne und Renten wären eine Selbstverständlichkeit, wenn man dem globalen Dumpingwettbewerb Paroli bieten würde. Dem Autor gelingt es, die Durchführbarkeit des zunächst utopisch anmutenden Ziels verständlich und überzeugend darzulegen.
Er zeigt, wie geschönte Zahlen, Vorurteile und Irrlehren immer wieder zu falschen Schlussfolgerungen führen und damit echte Reformen verhindern.

Müller verdeutlicht, dass nur wenige Maßnahmen bei der Lösung der deutschen Probleme wirklich greifen würden, sie werden aber leider in den Medien nicht diskutiert. Die Öffentlichkeit wird abgespeist und unterhalten mit Plazebo-Reformen, die kaum positive Auswirkungen haben können und die komplexen globalen Zusammenhänge nur am Rande tangieren.

Der Autor macht Schluss mit den gut inszenierten Ablenkungs- und Vertröstungsmanövern, mit denen die Bevölkerung nun schon seit einem Vierteljahrhundert hingehalten wird. An die Stelle von vagen Hoffnungen und Versprechungen setzt er konkrete nachvollziehbare Perspektiven. Anders als die meisten Politiker setzt Müller nicht auf einen niedrigen Ölpreis, eine bessere Weltkonjunktur, auf Erfolge von Hartz IV, irgendwelchen Umverteilungen oder Steuervereinfachungen - sondern wendet sich den großen Tabuthemen zu, die aus der öffentlichen Debatte immer noch herausgehalten werden.

Globalisierung: Miegel

Meinhard Miegel
Die deformierte Gesellschaft.
Wie die Deutschen ihre Wirklichkeit verdrängen.
303 Seiten, © 2002
In gewohnter Form wettert Miegel gegen den Sozialstaat, den er aufgrund der demographischen Entwicklung für völlig überzogen und unbezahlbar hält. Dabei ist sein grundlegender Denkansatz bereits falsch, weil der entlastende Faktor der ständigen Produktivitätssteigerung der Einfachheit halber ignoriert wird. Wann wird die vermeintliche „Elite" einsehen, dass nicht der überalterte Sozialstaat oder die „Elitenfeindlichkeit" die Probleme darstellen, sondern der irrationale globale Dumpingwettbewerb?

Globalisierung: Anti-Globalisierung

Manfred Julius Müller
Anti-Globalisierung. Zurück zur Vernunft!
96 Seiten, 13,5 x 21,6 cm, 218000 Zeichen, © 2002, Euro 8,90

Viele Leser hielten seinerzeit das Buch für das wichtigste politische Werk der Gegenwart, weil es an den Kern aller staatlichen Probleme herangeht und gerade das ans Tageslicht bringt, was von den Medien so beharrlich ignoriert wird. Konsequent und logisch aufgebaut mit überzeugenden Lösungsvorschlägen.

Dieses Buch hielt sich lange Jahre unter den
Top Ten der Amazon-Globalisierungs-Bestsellerliste.

Globalisierung: Schmidt

Helmut Schmidt
Globalisierung
140 Seiten, 11,8x18,7 cm, 160000 Zeichen, © 1998, 8 Euro
Dieses Buch ist wegen seiner anschaulichen Schilderung der Globalisierungs-Problematik zu empfehlen, obwohl Herr Schmidt zu den Verfechtern der Globalisierung und der EU zählt. Seine Lehren halte ich allerdings weder für originell noch für erfolgversprechend.

Nachtrag: Meine damalige Einschätzung sehe ich angesichts der Weltwirtschafts-, EU- und Eurokrise zunehmend bestätigt.

Globalisierung: Weltbeben

Wolfgang Kessler
Weltbeben
252 Seiten, © März 2004
Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen: Kessler fordert eine Erhöhung der Entwicklungshilfe, eine Verstärkung des Umweltschutzes und einen weiteren Abbau der Zölle. Damit meint er, die Probleme dieser Welt lösen zu können. Dabei geht er recht systematisch vor: Er pickt sich ein gelungenes Experiment heraus und meint dies flächendeckend übertragen zu können. Dabei stört es ihn wenig, dass die Bedingungen in den einzelnen Ländern stark unterschiedlich sind und sich die meisten Musterbeispiele schon aus Kostengründen nur begrenzt ausdehnen lassen. Er ignoriert weitgehend die Kräfte des Marktes und hofft auf die Einsicht der Menschen. Seine Interpretationen sind oft atemberaubend eigenmächtig - zum Beispiel führt er als Ursache für das dänische Beschäftigungswunder die Anhebung der Ökosteuern ins Feld. Auf dieser Basis lässt sich natürlich alles beweisen und mit Leichtigkeit eine schöne Traumwelt zaubern.

Globalisierung: Logik der Globalisierung

C. Christian von Weizsäcker
Logik der Globalisierung
174 Seiten, 11,4 x 19 cm, © 1999, 10,90 Euro
Ich halte absolut nicht von diesem Buch, weil es meines Erachtens den Leser mit einer falschen Logik zu hintergehen versucht.
Gerade die letzten Jahre haben gezeigt, das Weizsäckers Logik sich in der realen Welt nicht bestätigt.
Empfehlenswert nur für diejenigen, die sich mit den Argumentationstricks der Kapitallobby näher befassen möchten.

Globalisierung: Europa und die Globalisierung

Frederique Sachwald
Europa und die Globalisierung
126 Seiten, 11,5x18 cm, © 1997, 6,45 Euro
Die Geschichte des europäischen Liberalisierungsprozesses. Unkritische und wenig spannende Abhandlung über die Entwicklung der EU. Viele Zahlen und Daten - aber wichtige Fragen werden nicht angegangen. Nur für diejenigen interessant, die sich für die Geschichte der EU interessieren.

Globalisierung Sinn

Hans-Werner Sinn
Ist Deutschland noch zu retten?
499 Seiten, © 2003
Wie ermüdend es doch sein kann, ein dickes Sachbuch durchzuarbeiten, ohne vom Inhalt gefesselt zu sein. Wenn nur die Thesen aufbereitet werden, die ohnehin seit Urzeiten durch die Medien geistern, aufgemotzt durch persönliche An- und Einsichten, so ist das alles andere als spannend und unterhaltsam. Es fehlt der zündende Funke, der mitreißt und ahnen lässt „ja genau das ist es, darauf kommt es jetzt an". Sicher, die Fleißarbeit von Herrn Sinn enthält auch viele richtige Argumente und Einsichten. Aber was bringt das bei einem Buch, dass im Großen und Ganzen recht einseitig klingt und meiner Meinung nach viel zur viele Nichtigkeiten und Fehlinterpretationen enthält. Gerät ein Buch zu umfangreich, tritt am Ende leicht das ein, was auch bei einem dreistündigem Langweiler-Vortrag der Fall wäre: Nichts bleibt wirklich haften, am Ende weiß niemand mehr, worüber es bei der strapaziösen Dauerberieselung überhaupt ging.

Globalisierung: Entfesselte Welt

Anthony Giddens
Entfesselte Welt
116 Seiten, 10,8x17,7 cm, 148000 Zeichen, © 1999, 8,50 Euro
Giddens beschreibt anschaulich, wie die Globalisierung unser aller Leben verändert. Er geht auch auf die sonst kaum beachteten Einflüsse auf unser Familienleben, unsere Traditionen und unsere Demokratie ein. Sehr objektive Betrachtungen und Beobachtungen. Angenehm zu lesen, insgesamt empfehlenswert.

Globalisierung: Die offene Gesellschaft

George Soros
Die offene Gesellschaft
400 Seiten, 14x22 cm, © 2000
Zähe Abhandlung über die fragwürdige und schwammige Idee einer offenen Gesellschaft. Etwas Interessantes und Neues konnte ich in dem Buch kaum entdecken. Eine Kürzung des Buches auf 100 Seiten würden Soros Ansichten sicher verständlicher machen.

Globalisierung: Die Kultivierung des Kapitals

Manfred Julius Müller
Die Kultivierung des Kapitals
112 Seiten, 13,5 x 21,6 cm, © 2001, Euro 10,-
Die schlimmsten Fehler und Missstände in unserer Gesellschaft werden nicht nur angeprangert, es werden auch gleich überzeugende Problemlösungen angeboten. Ohne viele Umschweife kommt der Autor gleich auf den Punkt und zeigt wenig Respekt vor alten Dogmen und Propagandatricks.
Im Anhang werden visionäre Ideen für die fernere Zukunft vorgestellt, die das heutige Denkkorsett völlig auflösen.

 

Globalisierung: Die Globalisierungsfalle

Hans-Peter Martin, Harald Schumann
Die Globalisierungsfalle
350 Seiten, 12,5x20,5 cm, © 1996, 9,90 Euro
Ein Klassiker unter den Globalisierungsbüchern. Beschreibt an zahlreichen Geschichten und Fallbeispielen interessant und anschaulich die Verwerfungen der Globalisierung. Zur Problemlösung scheint mir das Buch allerdings kaum etwas beisteuern zu können, den zehn Ideen am Ende des Buches kann ich nicht viel abgewinnen (größtenteils unrealistische Wunschträume). Die Autoren setzen m. E. viel zu sehr auf die Optimierung der EU und scheuen sich, die wahren Hintergründe der Misere anzusprechen. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass sich trotz des riesigen Verkaufserfolges in sieben Jahren rein gar nichts zum Besseren gewendet hat. Vielleicht hat das Buch sogar von den wirklich notwendigen Reformen abgelenkt.

Globalisierung: Der Terror der Ökonomie

Viviane Forrester
Der Terror der Ökonomie
217 Seiten, 12,5x18,3 cm, 1998, 8 Euro
Anklageschrift gegen die Auswüchse des Kapitalismus, aber ohne fundierte Analysen und Ansätze zur Problemlösung. Es gibt zu denken, dass der Autorin keinerlei Überschriften (nicht einmal Kapitelüberschriften) eingefallen sind. Das Buch rüttelt bestenfalls auf, bringt einen aber keinen Schritt weiter. Bezeichnend, dass gerade solche nichtssagenden Bücher immer wieder zu Bestsellern werden.


Woran krankt die Globalisierungs-Literatur?

Es scheint, als seien fast alle Autoren nur an einem Verkaufserfolg ihres Buches interessiert.

Beliebt und trendig sind seit Jahren neoliberale "Aufklärungsbücher". Sie liefern meist ein Spiegelbild der einseitig gelenkten Meinungsdoktrin und werden deshalb auch von den Medien eifrig bestaunt und bejubelt. Dabei sind die Inhalte in der Regel banal und lächerlich. Immer nach dem gleichen Strickmuster werden die vermeintlichen Ursachen der wirtschaftlichen Probleme herausgearbeitet und dann nahezu deckungsgleiche Reformen vorgeschlagen, nämlich Lohnkürzungen, Flexibilisierung, Sozialabbau. Der krasse Widerspruch zur Logik, wieso der stetige Produktionsfortschritt zur Verarmung führen soll, wird einfach ignoriert.

Nicht weniger einseitig und weltfremd sind auf der Gegenseite die kämpferischen Anklageschriften gegen das Großkapital. Die Machenschaften der Konzerne aufdecken - so etwas macht sich immer gut und liest sich oft so spannend wie ein Roman. Bloß bewirken diese Hetzschriften leider wenig - der Leser darf sich verstanden fühlen, darf gedanklich Dampf ablassen und das war's dann auch schon. Seit erscheinen der Globalisierungsfalle 1996 wird mit oft ähnlichen Fällen auf dieser erfolgreichen Welle herumgeritten.

Seit der Weltwirtschaftskrise 2008 stehen die Auswüchse des Bankwesens im Fokus. Aber auch hier wird meistens zu klein gedacht - weil nämlich auch das zügellose und nahezu unkontrollierebare Finanzsystem nur eine Folgeerscheinung der Globalisierung (des Zollabbaus) ist.

 

Aber es gibt noch weitere Mängel, selbst bei den Bestsellern:

1. Aufgeblasene Umstandspinsel strapazieren die Nerven ihrer Leser. Ehe so mancher Autor auf den Punkt kommt, haben viele Leser bereits das Buch frustriert beiseite gelegt.

2. Eigene Ideen sind in der Regel Mangelware. Man beschränkt sich auf eigenwillige Analysen und Elendsbeschreibungen. Die Schlussfolgerungen sind selten überzeugend.

3. Man klammert sich an Optimierungsvorschlägen. Es gibt nichts, was sich nicht verbessern ließe. Natürlich wären weniger Bürokratie, bessere Schulen, ein einfacheres Steuersystem, weniger Schwarzarbeit usw. wünschenswert. Aber das alles sind ständige Herausforderungen, man bemüht sich bereits seit Jahrzehnten darum. Sie immer wieder als neue Ideen zu verkaufen ohne gleichzeitig konkrete Verfahren aufzuzeigen, ist geradezu lächerlich.

4. Genau so unergiebig sind die vielen utopischen Vorstellungen, mit denen manche Autoren die Welt verbessern wollen. Was nützen Ideen, die sich niemals durchsetzen lassen, weil sie ein einheitliches Vorgehen aller Staaten voraussetzen?

5. Neoliberales Einerlei: Autoren, denen gar nichts mehr einfällt, kramen verbissen das neoliberale Gedankengut aus der Klamottenkiste. Eine weitere Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, Aufweichung der Flächentarife, mehr subventionierte Billigjobs, Kürzung sozialer Leistungen - auf dem Tummelplatz der Einfältigkeit finden sich für minderbegabte Wichtigtuer schier unerschöpfliche Experimentierfelder.

6. Missbrauch der Statistik. Schon Churchill hat erkannt, dass Statistiken das beste Mittel seien, um Falsches als richtig erscheinen zu lassen. Viele Erfolgsautoren stützen ihr abenteuerlichen Thesen mit manipulierten Daten und Statistiken. Es gibt eigentlich keinen Blödsinn, der sich nicht durch Zahlentricks eindrucksvoll belegen ließe. Aktuelles Beispiel: Nach den Kommunal- und Landtagswahlen im September 2004 haben sich regelmäßig alle Parteien zum Sieger erklärt.

7. Ignoranz des Wesentlichen: Warum sinken bei uns seit 1980 die Löhne trotz aller technischen Fortschritte, warum diese hohe Arbeitslosigkeit? Um diese zentrale Fragen machen fast alle Autoren einen ganz großen Bogen oder finden nur völlig unzureichende Antworten. Dabei ist alles Geschreibsel über die Wirtschaftspolitik oder die Globalisierung ohne Auflösung dieses Paradoxem nahezu bedeutungslos.

 


Globalisierung: Interview

 

Jenseits aller Propaganda

Das Buch "Anti-Globalisierung" avancierte unter Insidern längst zum Geheimtipp. Wir sprachen mit dem Autor Manfred Julius Müller:

 

sw-magazin: Mittlerweile gilt Ihr Buch "Anti-Globalisierung. Zurück zur Vernunft!" unter Globalisierungsgegnern als Geheimtipp. Wie erklären Sie sich das?

Müller: Die Einschränkung "Globalisierungsgegner" akzeptiere ich nicht. Allen politisch Interessierten bietet dieses Buch völlig neue Erkenntnisse, und dies wird zunehmend auch erkannt.

sw-magazin: Zurück zur eigentlichen Frage: Worin sehen Sie den Schlüssel des Erfolges?

Müller: Das lässt sich nicht in einem Satz beantworten. Ich glaube, am meisten beeindruckt, dass endlich einmal Abschied genommen wird von den üblichen Standardthesen beider Seiten und die Probleme ernsthaft angegangen werden.

sw-magazin: Aber behaupten das nicht alle Autoren?

Müller: Mag sein, aber der Leser erkennt sehr schnell die Unterschiede. Um nur ein Beispiel zu nennen: Globalisierung bedeutet nicht Ausbeutung der Entwicklungsländer durch die Industriestaaten, wie uns viele einreden möchten. Wer sich auf diese populistische Formel einlässt, denkt zu kurz, schließlich leidet auch die Westliche Welt unter den Folgen des ungezügelten Freihandels.

sw-magazin: Sie halten derartige Schuldzuweisungen also für falsch?

Müller: Ja, weil sie an die falsche Adresse gerichtet sind. Es kann doch nicht darum gehen, nur den Entwicklungsländern zu helfen, auch die zunehmenden Probleme der Industriestaaten müssen gelöst werden.

sw-magazin: Sie meinen, durch politische Entscheidungen wäre es möglich, sowohl den Entwicklungsländern als auch den Industriestaaten gerecht zu werden.

Müller: Genau das ist meine Botschaft, und genau das wird in meinem Buch überzeugend dargestellt.

sw-magazin: Warum argumentieren denn andere Autoren nicht in ähnlicher Form?

Müller: Weil sie sich von den lieb gewordenen Vorurteilen und festsitzenden Lehrsätzen nicht lösen können. Wenn man zum Beispiel täglich hundertmal gesagt bekommt, wir müssen den Gürtel enger schnallen, manifestiert sich das im Unterbewusstsein. Es ist schwer, sich von solchen Denkblockaden zu lösen.

sw-magazin: Worin unterscheidet sich Ihr Buch denn noch von anderen?

Müller: Ich denke, dass meine Leser dankbar sind für das straffe, übersichtliche Konzept. Ganz bewusst habe ich mein Buch von ursprünglich 400 Seiten auf 96 Seiten zusammengestrichen. Außerdem präsentiere ich ganz konkrete Vorschläge, die die Politik auch umsetzen kann und verliere mich nicht in idealisierten Wunschträumen und den bekannten linken Phantastereien.

sw-magazin: Viele politische Bücher sind Ihnen also zu umfangreich?

Müller: Ja, oft habe ich den Eindruck, die Autoren wollten damit lediglich beeindrucken und ihre Kompetenz unter Beweis stellen. Dabei halte ich die meisten Bücher, die sich über hunderte von Seiten dahinquälen, für stinklangweilig. Ständig wird sich wiederholt, werden immer wieder die gleichen abgedroschenen Argumente bemüht und am Ende einige flaue, unrealistische Gedankenspiele präsentiert .

sw-magazin: Manche dieser Bücher wurden aber zu Bestsellern, wie erklären Sie sich das?

Müller: Dass wir in unserem Medienzeitalter einen Starkult betreiben, steht doch wohl außer Frage. Der Name zählt, nicht das Objekt, das Buch! Wer sich erst einmal an die Spitze hochgedient hat, wird angehimmelt, egal welchen Blödsinn er von sich gibt. Nahezu kritiklos wird dann jedes gesprochene und geschriebene Wort aufgesogen und zum Heiligtum erklärt. Die Großverlage reißen sich um die im Rampenlicht stehende Prominenz, denn deren Ansichten lassen sich zu Bestsellern vermarkten, ganz gleich, ob sie richtig oder falsch, innovativ oder banal sind. Dieses Hörigkeitssyndrom führt langfristig in die Sackgasse, weil meistens nur das altbekannte Gedankengut publiziert wird, das selbst in den Talkshows schon hundertmal durchgekaut wurde.

sw-magazin: Trotz aller Vorzüge wird ihr Buch von den Medien weitgehend ignoriert.

Müller: Wundert Sie das? Ich bestätige nun einmal keine vorgefertigten Meinungen und bediene auch keine Lobbyistengruppen. Mein größtes Vergehen ist freilich mein respektloses Aufgreifen zahlreicher Tabuthemen. Wer darf hier zu Lande zum Beispiel den Nutzen der EU oder des Euro in Frage stellen, ohne gleich in eine rechte Ecke gestellt zu werden?

sw-magazin: Wie ist denn nun die Reaktion der Leser auf Ihr Buch?

Müller: Toi, toi toi - bis jetzt gab es eine einhellig positive Resonanz. Viele wildfremde Leute haben mir mitgeteilt, wie begeistert sie seien und dass sie jetzt endlich die weltwirtschaftlichen Zusammenhänge verstanden hätten. Manche Leser haben gleich mehrere Bücher nachbestellt, als Geschenk für Freunde und Verwandte. Fundierte Kritik gab es bislang nicht, selbst die neoliberale Einheitsfront weiß offenbar nicht, wie sich meine Argumente sachlich und glaubhaft widerlegen lassen.

sw-magazin: Herr Müller, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

 

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Impressum

 © Manfred J. Müller, Flensburg, 2002 (mit späteren Ergänzungen)


Manfred Julius Müller analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten. Inzwischen sind auch vier Bücher erschienen: "Die Kultivierung des Kapitals", 2001, "Anti-Globalisierung. Zurück zur Vernunft!", 2002, "Das neue Wirtschaftswunder. Die Entmachtung des globalen Dumpingsystems", 2005, "Das Kapital und die Globalisierung", 2008.

Interessant sind sicher auch folgende Spezialthemen: Freihandelszone, Wirtschaftswunder, Mehrwertsteuererhöhung, Biogas, Pressefreiheit, Renten, Demokratie, Kommunismus, Sozialreformen, Grundeinkommen, Lkw-Maut, Agenda 2010, Mindestlohn, Exportweltmeister, Ökosteuer, Neoliberalismus, Welthandel, Lohnnebenkosten, Mehrwertsteuer, China, Kombilohn. Kapitalismus, die Umfinanzierung der Pflegeversicherung, Referate erstellen zum Thema Globalisierung, lässt sich die Globalisierung abschalten, Ursachen der Globalisierung, Globalisierungsprobleme, Deutschland und die Globalisierung, Globalisierung und Wirtschaft, Nachteile der Globalisierung, Folgen der Globalisierung, Umweltschutz, Weltwirtschaft.