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Manfred Julius Müller: Warum sperrt sich die Politik so strikt gegen die Abkoppelung vom globalen Dumpingsystem?
Etwa seit 1980 befindet sich Deutschland durch den Abbau von Zöllen in einem gnadenlosen globalen Wettbewerb. Seit dieser Zeit sinken trotz wachsender Produktivität die realen (preisbereinigten) Nettolöhne in Deutschland, weil das globale Lohn-, Sozial-, Öko- und Steuerdumping nun einmal eine Wohlstandsmehrung nicht zulässt. Warum aber reagieren die Politiker nicht darauf, warum wird die eigentliche Ursache für das absurde Paradoxon (Kaufkraftverlust bei steigender Produktivität) nicht angegangen, warum wird nicht einmal darüber diskutiert?
Der beschwerliche Weg der Wahrheitsfindung 1.
Mangelnde wirtschaftliche
Kenntnisse Dabei möchte ich unseren Volksvertretern bestimmt nicht mangelnde Intelligenz unterstellen oder ihnen den guten Willen absprechen. Die Aufgabengebiete der Bundestagsabgeordneten sind aber leider so umfangreich und die Terminkalender dermaßen randvoll, dass nur den wenigen Spezialisten Zeit bleibt für eine ausgiebige Lagebeurteilung und Analyse. 2.
Den souveränen Abgeordneten gibt es nicht mehr! 3.
Die Meinungsbildung der Expertengremien Zur Unterstützung dieses gesteuerten Meinungsbildungsprozesses unterhält das Großkapital nicht nur eigene "Institute", die unentwegt kapitalfreundliche Studien fabrizieren, das Kapital verfügt zudem auch noch über einen direkten Zugang zu den privaten Medien (die befinden sich schließlich zu über 99 % im Besitz des Kapitals). Nicht einmal das Internet wird der freien Meinungsbildung überlassen - auch hier tummeln sich bereits zahlreiche vom Kapital finanzierte Websites und selbst über viele fremde politische Foren wachen vom Kapital bezahlte professionelle Journalisten. 4.
Die Einflussnahme der Kapitallobby prägt die
öffentliche Meinung! Es ist verständlich, dass die vom Kapital gesteuerte öffentliche Meinung auch die Fachexperten der Parteien beeinflusst, denn gegen den Volkswillen bzw. gegen die Medienmeinung lässt sich Politik kaum umsetzen.
Die große Schwierigkeit, eingetretene Pfade zu verlassen Wegen
der oben aufgeführten Mechanismen bei der
Meinungsbildung ist es für die Fachexperten der
Parteien wirklich nicht einfach, zu einem neutralen und
fachlich fundiertem Urteil zu finden. 1.
Angst vor den Konsequenzen 2.
Suche nach
Ersatzlösungen Parallel
hierzu werden die Uraltthemen aufgewärmt, man fordert
zum tausendsten Male eine bessere Bildung, mehr Forschung,
Bürokratieabbau, Verwaltungsreformen, weitere
Flexibilisierung (= Verschlechterung) der
Arbeitsbedingungen, Aufhebung des Kündigungsschutzes,
Senkung der Konzernsteuern und und und. Begleitet
werden diese Notprogramme mit wohlfeilen Zurechtweisungen
und Belehrungen an die Bevölkerung ("uns
geht es doch allen gut",
"jammern auf hohem Niveau", "der Aufschwung ist da", "wir
müssen um so vieles besser sein als wir teurer sind"
usw.). 3.
Selbstbetrug So
funktioniert eben der typische Selbstbetrug. Das ist bequem,
man kann wieder ruhig schlafen und erspart sich Ärger
und Ungemach. Sollen sich doch andere die Finger verbrennen,
man selbst hat schließlich sein Bestes getan.
Aufgeschoben
ist nicht aufgehoben! Deshalb
wird man sich auch nicht ewig mit einer neoliberalen Politik
durchwursteln können - irgendwann muss man Farbe
bekennen und sich intensiv mit den unfairen Marktbedingungen
und den Billigimporten auseinandersetzen. Eine praktikable Alternative zu einer Zoll-Renaissance bietet lediglich die Lohnkostenreform (Finanzierung der Sozialversicherungen über die Mehrwertsteuer).
Sind Sie
gleicher oder ganz anderer Meinung?
Weiterführende
Themen: Wie erklärt sich das kollektive Versagen der Ökonomen?
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