Manfred Julius Müller, Januar 2006

Wider dem unredlichen Geist!

 

Es ist schon traurig, wie auch in unser heutigen „aufgeklärten" Zeit mit Unwahrheiten und Entstellungen Politik gemacht wird.

Wenn ich nur einmal an das erbärmliche Schmierentheater wegen der Mehrwertsteuererhöhung denke - was wurde da nicht alles verdreht und gelogen. „Eine Mehrwertsteuererhöhung sei unsozial und belaste hauptsächlich den kleinen Mann" wurde der Bevölkerung von allen Seiten immer wieder eingebleut. Natürlich lassen sich mit derlei plumpen populistischen Äußerungen Wählerstimmen gewinnen - wer hört schon gerne etwas von Steuererhöhungen.

Verschwiegen wurde bei der demagogischen Hetze, dass der Staat schließlich irgendwie finanziert werden muss - irgendwoher muss das Geld kommen. Und wenn man alle möglichen Einnahmequellen objektiv betrachtet, dann ist, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen, die Mehrwertsteuer immer noch am sozialsten und auch für die Volkswirtschaft am günstigsten.

 

Populistische Geisterdebatten

Von wem kann sich der Staat das Geld denn sonst noch holen? Eine Reichensteuer oder die Erhöhung der Spitzensteuersätze als Lösung zu verkaufen ist mehr als scheinheilig. Zwar bin auch ich der Meinung, die „Reichen" könnten ruhig etwas mehr berappen - aber dies sind in einer globalisierten Welt nur fromme Wunschvorstellungen. Wollen wir denn um Deutschland eine neue Mauer bauen und die Großverdiener bei uns einsperren? Natürlich werden die Reichen bei zu hohen Abgaben ihren Wohnsitz ändern - günstige Steueroasen gibt es auch in Europa zuhauf, und bei einem zu hohen Steuersatz hört selbst bei patriotisch eingestellten Millionären die Vaterlandsliebe irgendwann auf. Ähnliches gilt für die Vermögens- und Erbschaftssteuer. Der Staat muss immer abwägen, wie die Verhältnisse im nahen Ausland sind - nur so kann er ermitteln, wo noch ein wenig Luft für Mehreinnahmen ist.

Da 95 % der Bundesbürger sich nicht zu den Wohlhabenden zählen können wundert es nicht, dass beim Wahlvolk Forderungen nach einer Reichen- und Vermögenssteuer gut ankommen. Einen Wahlkampf auf einer solch primitiven Basis zu führen und mit unrealistischen Annahmen über mögliche Mehreinnahmen eine scheinbare Alternative vorzugaukeln, halte ich für unanständig und durchtrieben. Ob die Einführung einer Reichensteuer überhaupt etwas bringt, ist mehr als fraglich. So zu tun, als ließen sich damit die deutschen Probleme lösen, ist schamlos.

 

Höhere Unternehmenssteuern?

Das gleiche Täuschungsmanöver vollzieht sich bei der Forderung nach einer höheren Besteuerung der Unternehmen und Konzerne. Sicher, mich ärgert auch, dass Konzerne beim Steueraufkommen so gut wegkommen - aber auch hier muss man doch sehen, was überhaupt möglich ist. Einfach die Unternehmenssteuern anzuheben würde nur bedeuten, den Auslagerungsprozess ins Ausland zu beschleunigen. Am Ende kann eine weltfremde Steuererhöhung zu hohen Einnahmeausfällen und einem Ansteigen der Arbeitslosenzahlen führen. Die Politiker haben diese ungünstige Erpressungslage leider selbst geschaffen, indem sie wider alle Vernunft die Zollgrenzen rigoros niedergewalzt haben.

 

Ein Ausweg

Die Mehrwertsteuer ist in dieser ungünstigen (durch den Zollabbau selbst herbeigeführten) Situation die einzige Steuer, die das Erpressungspotential der Konzerne mindert, die deutsche Wirtschaft entlastet und Importe verteuert (denn auf die wird die Mehrwertsteuer auch aufgeschlagen).

Der positive Effekt wird verdoppelt, wenn mit der Mehrwertsteuererhöhung eine Absenkung der Lohnnebenkosten einhergeht, also eine Umfinanzierung der Sozialsysteme stattfindet.

Seit 20 Jahren propagiere ich dieses System und konnte auch zahlreichen Spitzenpolitikern die Vorteile dieser Reform verständlich machen. Ich bin froh, dass jetzt tatsächlich ein Umdenken stattgefunden hat und die Regierung Merkel einen beherzten Schritt in die richtige Richtung wagt - trotz des Widerstandes seitens der Medien und zahlreicher unbelehrbarer Politiker.

 

(2+0):2 = 3

Besonders gefreut hat mich das Einlenken der SPD. Sie hatte im Bundestagswahlkampf 2005 noch wortgewaltig Stimmung gegen eine Mehrwertsteuererhöhung gemacht und man hätte gedacht, die neue Koalition würde sich in dieser Sache in der Mitte treffen - also 2 % CDU-Wunschvorstellung, 0 % seitens der SPD, das ergibt einen Kompromiss von 1 %. Dass man sich dann doch auf 3 % einigen konnte zeigt, welche ein politischer Wandel in der SPD sich seit dem Abgang Schröders vollzogen hat.

 

Die hässliche Rolle der Medien

Dass machthungrige Politiker mit populistischen Maßnahmen (Reichensteuer, Verteufelung der Mehrwertsteuer) versuchen, Wahlen zu gewinnen, kann man noch irgendwie nachvollziehen. Warum aber auch die Medien so eifrig gegen die Mehrwertsteuer wettern, sollte stutzig machen. Haben Wirtschaftsredakteure vielleicht erkannt, dass mit jedem Prozent der Mehrwertsteuererhöhung und mit jedem Prozent der Lohnnebenkostensenkung letztlich die Macht und die Einflussnahme der Großunternehmen abnimmt? Weil dadurch Inlandsprodukte billiger und Importe teurer werden - die Produktionsauslagerung sich also weniger rentiert und das Erpressungspotential auf die Politik schwindet?

Wie groß die Furcht vieler Verleger vor einem Umdenken in der Wirtschaftspolitik ist zeigen auch die Reaktionen auf mein aktuelles Buch „Das neue Wirtschaftswunder. Die Entmachtung des globalen Dumpingsystems". Ich habe verschiedene namhafte Zeitungen und Zeitschriften um eine Rezension gebeten - ohne Erfolg. Selbst auf Nachfragen stellt man sich tot und bleibt jede Antwort schuldig. Man hat nicht einmal den Schneid, eine Rezension offen abzulehnen oder das nicht benötigte Buch zurückzuschicken. An einen Verriss traut man sich aber auch nicht, denn das könnte das Buch erst recht ins Gespräch bringen. Hierzu möchte ich noch anmerken, dass die Presse ansonsten auf diesem Gebiet äußerst schreib- und rezensionsfreudig ist. Wenn ein Autor die üblichen neoliberalen Phrasen herunterdrischt, dann wird auch der hundertste Aufguss dieser Platitüde mit schmeichelhaften Worten geehrt. Autoren, die das übliche Glaubensbekenntnis herunterbeten und die Notwendigkeit von sinkenden Löhnen, kostenloser Mehrarbeit und der Demontage des Sozialstaates zu beweisen suchen, werden verehrt und hofiert, als hätten sie den Stein der Weisen verschluckt. Wo bleibt die vielgepriesene Neutralität und Informationspflicht der Presse? "Alles, was eine Nachricht ist, wird veröffentlicht", so lautet der Ehrenkodex der Presse. Gilt das nur, wenn auch die Verlags- und Konzerninteressen gewahrt bleiben?

 

Nachtrag (März 2007)
Alles lief noch besser als erwartet, nachdem die neue Regierungskoalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel sich Ende 2005 auf eine 3%ige Mehrwertsteueranhebung zum 1.1. 2007 einigte (bei gleichzeitiger Absenkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung).
Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten: Unternehmer und Investoren haben schnell begriffen, dass allein durch diese kleine Umfinanzierung des Sozialsystems sich die deutschen Lohnkosten gegenüber dem Ausland um 4 % verbilligen und dass wegen der angehobenen Mehrwertsteuer (Zolleffekt) sich Betriebsverlagerungen ins Ausland damit weniger lohnen. Die Zahl der Arbeitslosen ist infolgedessen um 800000 zurückgegangen, das Wirtschaftswachstum auf über 2,5 % gestiegen und sogar die Neuverschuldung des Staates konnte deutlich gesenkt werden.
Selbst die Inflationsrate hat sich nicht nach oben bewegt - trotz aller düsteren Prognosen hat die Lohnkostenreform keine Verteuerungen hervorgerufen. Es ist also alles genau so eingetreten, wie ich es immer behauptet und bereits vor 20 Jahren vorhergesagt habe!

 

Wider dem unredlichen Geist

- wenn Sie mehr zu diesem Thema lesen möchten, wenn Sie wissen möchten, wie Deutschland das Ruder herumreißen könnte und welche weltwirtschaftlichen Zusammenhänge nun einmal nicht abzustreiten sind, dann wird ihnen mein neues Buch „Das neue Wirtschaftswunder" sicher gut gefallen.

 

 

Nachstehend der Klappentext zum Buch:

"Der Neoliberalismus hat seine Chance gehabt und ist kläglich gescheitert. Auch in der Ökonomie gelten die Gesetze der Logik - wer glaubte, den produktiven Fortschritt mit realen Lohnsenkungen und Sozialabbau bekämpfen zu müssen, ist eines Besseren belehrt worden. Lautet die Devise jetzt „Löhne rauf!"? Natürlich nicht, denn erst müssen dafür die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Notwendig ist die Aushöhlung des globalen Dumpingsystems.

Der Autor dieses Buches beweist, dass dies ohne weiteres möglich ist. Er ist kein Anhänger des Klassenkampfes und plumper Umverteilung, ihm geht es einzig um die Wiederbelebung einer florierenden Marktwirtschaft. Volksnah erklärt er die Mechanismen der Weltwirtschaft und enttarnt die vielen Denkfehler, die zu der heutigen Misere geführt haben. Seine fundierten Lösungskonzepte sind absolut praxistauglich, sofort umsetzbar und schnell wirksam. Besonders ausführlich befasst er sich mit der von ihm entwickelten Lohnkostenreform, der Umfinanzierung der Sozialversicherungen über die Mehrwertsteuer. Fazit: Dieses Buch markiert den Weg zu einem neuen Wirtschaftswunder und einer demokratischeren, gerechteren Gesellschaft."

Sie erhalten das Buch bei www.amazon.de oder im stationären Buchhandel (dort leider meistens nur auf Bestellung). Sie können das Buch aber auch direkt bei uns anfordern (portofreie Auslieferung innerhalb von 2 Werktagen), verwenden Sie dazu bitte diesen Bestellschein.

Rezensionen zu dem Buch finden Sie auch unter www.amazon.de

 

  

"Welchen Wert haben Auseinandersetzungen über die Globalisierung und die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands, wenn das herausragende Phänomen der sinkenden Reallöhne bei steigender Produktivität einfach ignoriert wird?"

Weitergehende Ausführungen über die Weltwirtschaft und Globalisierung mit aufschlussreichen Analysen und überzeugenden Problemlösungen finden Sie in meinem Buch "Das Kapital und die Globalisierung".

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Warum sperrt sich die Politik so strikt gegen die Abkoppelung vom globalen Dumpingsystem?
Was sind die Beweggründe der Politik, so stur am globalen Dumpingslohnsystem festzuhalten?

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Brauchen
wir wirklich die EU? Kann es ohne EU keinen Frieden und keinen Wohlstand in Europa geben?

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In einem globalen Dumpingwettbewerb wäre die strikte Absenkung der Lohnnebenkosten die zwingendste Maßnahme.

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Weitere interessante Seiten finden Sie auf, www.das-kapital.eu, www.kapitalismus-online.de, www.weltwirtschaft-globalisierung.de, www.parlamentswahlen.de

 


Manfred Julius Müller analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten. Inzwischen sind auch einige Bücher erschienen, u. a. "Das Kapital und die Globalisierung".

 

Globalisierung 

 

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Wie steht es um die Vorteile der Globalisierung?
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Globalisierung- negative Wohlstandsentwicklung
Der Wohlstandsabstieg
durch die Globalisierung
Kein Verantwortlicher will wahrhaben, wie sehr die Globalisierung die Lohnentwicklung verändert hat.


Treibt uns die Globalisierung in den Ruin?


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Die Kapitallobby versucht die Globalisierung als einen natürlichen und unumkehrbaren Prozess darzustellen.
Ist es tatsächlich so oder handelt es sich wieder einmal nur um einen geschickten Propagandatrick?


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Wie mit falschen Zahlen die Globalisierung schöngeredet wird.


Die wahren Hintergründe
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Globalisierung - die Bedeutung der Zollgrenzen
Die Verlogenheit mit
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Warum wird der Zoll-
Protektionismus geächtet, der Subventions-Protektionismus aber immer weiter ausgedehnt?


Die unsichtbaren Grenzen des Sozialstaats


Wider dem unredlichen Geist
Wie mittels populistischer
Demagogie eine wegwei-
sende Reform verhindert werden sollte.


Globalisierung - gelenktes Meinungsbild über die Medien
Die Manipulation
der öffentlichen Meinung
Noch immer wird die Auswirkungen der Globalisierung verheimlicht.


Wie mit Propagandatricks die
Wahrheit ausgehebelt wird...
Mit welchen fiesen Tricks die Globalisierung schöngeredet wird.


Wer trägt die Schuld an der Weltwirtschaftskrise
der frühen 1930er Jahre?


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