Streit um die Definition des Phänomens Globalisierung!

 

Bei der Definition des Wortes "Globalisierung" scheiden sich noch immer die Geister. Während die einen den Begriff gerne überfrachten und alle Aspekte der Veränderung der letzten Jahrzehnte mit ins Boot nehmen möchten, fordern Analysten eine scharfe Trennung von normaler technologischer Fortentwicklung und künstlich angeheizter Globalisierung.

Wer aber nun hat Recht? Wie müsste eine objektive Definition lauten? Sollte man die bahnbrechenden Veränderungen in der Informationstechnologie mit in die Waagschale werfen und selbst noch die Veränderungen bezüglich Kultur und Demokratisierung der Globalisierung zuschreiben?

 

Wollen wir eine klare Sprache oder wollen wir Verwirrung?
Um es gleich zu sagen: Ich halte eine plumpe Verallgemeinerung und eine Überdehnung des Begriffs "Globalisierung" für im höchsten Maße unseriös und der Sachlichkeit undienlich.
Denn die Globalisierung ist schließlich das bedeutendste Phänomen unserer Zeit, über dessen Ursachen und Folgen man sich auseinandersetzen muss (um die seit 30 Jahren anhaltende
Lohnabwärtsspirale und das Problem der Massenarbeitslosigkeit richtig verstehen zu können).
Eine ehrliche Aufarbeitung der Globalisierung ist aber zum Scheitern verurteilt, wenn die Wortbestimmung nebulös und schwammig ausfällt und als Sammelbecken für alle positiven Veränderungen der Neuzeit dient.

 

Die Globalisierungslobby forciert die Aufweichung der Definition!
Die kapitalstarke Globalisierungslobby verfolgt einseitige Interessen, sie möchte die Globalisierung unbedingt in ein strahlendes Licht tauchen (weil sie am zolllosen Freihandel klotzig verdient). Aber muss die Allgemeinheit diesem raffiniertem Treiben folgen?
Der neutrale Beobachter kommt meines Erachtens nicht umhin, die Definition der Globalisierung wirklich auf ihren Kern und und Ursprung zu beschränken.
Das heißt:
Man darf die Globalisierung nicht als Naturereignis ansehen - sie wurde künstlich entfacht! Aus dieser wirtschaftspolitischen Maßnahme entwickelten sich dann die Kräfte und Veränderungen, wie wir sie heute größtenteils mit Bedauern registrieren müssen.

Ohne Globalisierung gäbe es keinen weltweiten Dumpingwettbewerb und die Reallöhne wären seit 1980 auch in den alten Industrienationen stark gestiegen (im Einklang mit der Produktivität), es gäbe keine Massenarbeitslosigkeit, keine 1-Euro-Jobs, keine Leiharbeit und keine ausufernde Frühverrentung (alles Instrumente, die die wahren Dimensionen des Jobabbaus kaschieren). Warum ist das so?

Diese furchtbaren Verwerfungen, die der Abbau der Zölle ausgelöst hat, sollten klar erörtert und nicht mit scheinbar positiven Aspekten verrechnet werden. Denn die Fortschritte in der Informationstechnologie (die auch die Demokratisierung vorantreibt), im Transportwesen (Containerschiffe), im Kulturaustausch usw. haben mit der eigentlichen Globalisierung (dem Zollabbau) nichts zu schaffen, diese Fortschritte sind eine stinknormale, seit Jahrtausenden anhaltende, Weiterentwicklung.

 

Wie wird man die Globalisierung im Nachhinein bewerten?
Richtig bewertet werden die Entgleisungen der Zeitgeschichte meist erst im Nachhinein. Das 20. Jahrhundert wurde geprägt vom Kolonialismus, Faschismus und Kommunismus. In einigen Jahrzehnten wird sicher auch die Globalisierung als Irrweg allgemein anerkannt werden. Niemand wird dann mehr auf die Idee kommen, den technologischen Fortschritt mit den daraus resultierenden Folgen als besonderes Merkmal einer Epoche zu verstehen.

Die Globalisierung wird auf das reduziert werden, was sie wirklich ist: Ein von der Kapitallobby angezettelter Freihandelswahn, der die gesamte Menschheit in einen gnadenlosen Lohn-/ Öko-/ Sozial-/ Steuer-/ Subventions-Dumpingwettbewerb zwingt.
Die Globalisierung wird Politikern angelastet werden, die bestehende Standortunterschiede (allein Lohndiskrepanzen von über 1000 Prozent) völlig ignorierten und notwendige Zollgrenzen bedenkenlos einrissen in der Hoffnung, ihr auserwähltes Volk würde durch bessere Leistungen
(Herrenrasse-Ideologie) neue Märkte erobern und die gravierenden Wettbewerbsnachteile ausgleichen können.

 

Fortsetzung dieses Artikels: Analyse gängiger Definitionsversuche

 

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 © Manfred J. Müller, Flensburg

 


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