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Manfred
Julius Müller, im Dezember 2001
Ausblick
auf das Jahr 2020
Wie wird sich unsere Zukunft gestalten, wenn alles seinen
normalen Gang geht, wenn also keine Lehren aus der
Vergangenheit gezogen werden? Man muss wohl davon ausgehen,
dass der Trend der beiden letzten Jahrzehnte sich fortsetzt.
Unter Druck gesetzt durch die Forderungen der
Wirtschaftslobby und der Presse wird also der Abbau des
Sozialstaates, des Lohnniveaus und der Arbeitnehmerrechte
weiter betrieben.
Unter der Losung "Kosten senken und nochmals Kosten senken"
werden die Industrienationen versuchen, den günstigen
Produktionswerten der aufstrebenden Schwellenländer
näher zu kommen. Dieser Kampf ist kaum zu gewinnen,
weil die Kostenstrukturen der Schwellenländer
unerreichbar niedrig sind (allein die Staatsverschuldung pro
Kopf sowie die staatlichen Grundkosten pro Bürger sind
in Deutschland sicher 100 mal höher als in China).
Bei nahezu zollfreien Grenzen und ohne importverteuernde
Reformen hat Deutschland quasi keinerlei Chance, seinen
Niedergang verhindern zu können. Die bürokratisch
und finanziell wenig belasteten Staaten werden die alten
verkrusteten Industrienationen an die Wand spielen.
Die USA
ziehen bereits
Konsequenzen!
Eine Ausnahme bildet lediglich die militärische
Supermacht USA mit ihrer traditionell selbstbewussteren
Politik. Sie wird ein Abgleiten in die Bedeutungslosigkeit
nicht einfach zulassen und noch stärker als bisher mit
protektionistischen Maßnahmen (Zölle und
sogenannte "Anti-Dumping-Abgaben") dagegenhalten. Ich kann
den amerikanischen Präsidenten voll und ganz verstehen,
wenn er mit Einfuhrzöllen zu verhindern sucht, dass z.
B. seine Stahlwerke wegen derzeitiger Billigimporte alle
Pleite gehen.
Was wird aus
Europa?
Die europäischen Staaten sind weit schlechter dran.
Wegen mangelhafter Souveränität und einer kaum
durchschaubaren, ja fast chaotischen EU mitsamt ihrer
unglückseligen Einheitswährung. Der
Handlungsspielraum dieses kontroversen Wirtschaftsraumes ist
extrem eingeengt und schwerfällig. Die
Harmonisierungsbestrebungen und Osterweiterungen rauben Zeit
und Kraft, die monströse EU wird zum lahmen tauben
Riesen und vielerorts zur ungeliebten "Besatzungsmacht".
Ich gehe davon aus, dass dieses Konzept nicht aufgeht und
eines Tages die EU wieder in ihre Bestandteile
zerfällt, so wie auch die Vielvölkerstaaten UdSSR
und Jugoslawien gescheitert sind. Ob die EU nun in zwanzig,
vierzig oder sechzig Jahren auseinanderbricht, wage ich auch
nicht vorherzusagen, das ist von zu vielen unkalkulierbaren
Faktoren abhängig.
Dass andere meine Befürchtungen inzwischen teilen,
zeigen die Worte der Ex-Premierministerin
Thatcher:
"Die EU wird sich als größte Torheit der
Geschichte erweisen".
"Ein Volk,
ein Reich, ein Euro!"
Hinter dem Slogan "Ein Volk, ein Reich, ein Euro" formiert
sich in Großbritannien inzwischen eine immer
größer werdende Schar von EU-Skeptikern. Namhafte
Historiker in GB sehen bereits in der ausufernden EU starke
Parallelen zu den Zielen Hitlers.
Was wird aus
Deutschland?
Ich befürchte vor allem für Deutschland ein
Debakel (weil bei uns nationale und "protektionistische"
Gedanken
besonders verpönt sind, weil unser Land an die armen
osteuropäischen Staaten angrenzt und für
Zuwanderer besonders attraktiv ist). Wenn der Anteil der
deutschstämmigen Bevölkerung hier zu Lande immer
weiter sinkt (man denke nur an die EU-Osterweiterung) und
die EU immer mehr Vollmachten und Einfluss erhält, geht
unsere nationale Identität langsam aber sicher
verloren.
Dieser schleichende Prozess wird einhergehen mit zunehmenden
wirtschaftlichen Schwierigkeiten - unsere
Multikulti-Gesellschaft wird an den vielen
Widersprüchen und der eigenen politischen Schwäche
scheitern. Das System, eigene Interessen zu
vernachlässigen und stets den Wünschen anderer
Staaten ergeben zu sein, könnte mit dem Verfall unserer
Landes quittiert werden. Ob aus den Trümmern der EU
wieder ein neues Deutschland hervorgeht, scheint mehr als
fraglich. Wenn überhaupt, so wird es von seiner alten
Stärke und Bedeutung weit entfernt sein.
Alles
nur Panikmache?
Sie halten die Kritik für überzogen und meinen, es
wird sich schon alles zum Guten wenden?
Nach Lektüre des Buches "Anti-Globalisierung.
Zurück zur Vernunft!"
werden Sie anders darüber denken. Vielleicht gelingt es
dem Buch gar, sture Politiker und scheinbare "Gutmenschen"
wachzurütteln und echte Reformen einzuleiten. Noch ist
es nicht zu spät.
EU
soll Austritte erlauben
Inzwischen wächst offenbar selbst bei
EU-Befürwortern die Angst, dass ein
"großeuropäisches Reich" zum lähmenden
Koloss mutieren könnte. Jedenfalls gibt es neuerdings
ernsthafte Überlegungen, ein geregeltes
Austrittsverfahren in der künftigen EU-Verfassung zu
verankern. Es scheint sich die Einsicht durchzusetzen, dass
Staaten nicht bis zu ihrem Untergang an die EU gekettet
werden dürfen (sie könnten evtl. die gesamte
Gemeinschaft mit in den Abgrund ziehen).
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Manfred J. Müller, Flensburg
Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche
Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige
Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Er entwickelte
neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue
Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in
wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten.
Inzwischen sind auch vier Bücher erschienen: "Die
Kultivierung des Kapitals", 2001, "Anti-Globalisierung.
Zurück zur Vernunft!", 2002, "Das neue
Wirtschaftswunder. Die Entmachtung des globalen
Dumpingsystems", 2005, "Das
Kapital und die
Globalisierung",
2008.
Interessant
sind sicher auch folgende Spezialthemen: Reichensteuer,
Protektionismus,
Mehrwertsteuersenkung,
Exportweltmeister,
Bankenkrise,
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